top of page

Wussten Sie schon?

Die Rückkehr zur Menschlichkeit im digitalen Zeitalter

Warum Menschen gerade jetzt aussteigen, um bei sich selbst anzukommen


Wir leben in einer Zeit paradoxaler Bewegungen. Während Technologien immer schneller, effizienter und allgegenwärtiger werden, vollzieht sich gleichzeitig eine stille Gegenbewegung: Immer mehr Menschen wenden sich bewusst der Menschlichkeit zu. Sie verlassen Großkonzerne trotz sicherer Spitzenpositionen, reduzieren Einkommen gegen Lebensqualität, ziehen aus Städten aufs Land, arbeiten mit Menschen, Kindern, Tieren – oder mit der Erde selbst. Sie pflanzen an, ernten, halten Tiere, gründen kleine Unternehmen oder arbeiten im Homeoffice fernab urbaner Taktung.

Diese Entwicklung ist kein Zufall. Sie ist eine psychologische Antwort auf die Digitalisierung unserer Lebenswelt.


1. Die digitale Beschleunigung und ihre psychologischen Kosten

Digitalisierung bringt Effizienz, Vernetzung und Komfort. Gleichzeitig erzeugt sie eine Form von Dauererreichbarkeit, Entkörperlichung und innerer Fragmentierung. Arbeit findet zunehmend abstrakt statt: Zahlen, Mails, Meetings, Screens. Viele Tätigkeiten sind losgelöst von unmittelbaren, sinnlich erfahrbaren Ergebnissen.


Psychologisch gesehen verliert der Mensch dabei drei zentrale Grundbedürfnisse:

  • Sinnhaftigkeit: Wofür tue ich das eigentlich?

  • Wirksamkeit: Sehe ich die konkrete Wirkung meines Handelns?

  • Verbundenheit: Bin ich wirklich in Beziehung – oder nur vernetzt?


Je digitaler Arbeit und Alltag werden, desto häufiger bleiben diese Bedürfnisse unbefriedigt. Der Mensch funktioniert, performt, optimiert – aber erlebt sich selbst immer weniger als fühlendes, eingebettetes Wesen.


2. Warum gerade erfolgreiche Menschen aussteigen

Auffällig ist, dass nicht nur „Gescheiterte“ aus Großkonzernen aussteigen, sondern häufig hochqualifizierte, erfolgreiche Menschen. Psychologisch ist das erklärbar: Wer lange im Leistungssystem funktioniert hat, stößt irgendwann an eine existentielle Frage:

„War das alles?“

Mit zunehmender innerer Reife verschiebt sich der Fokus:

  • von Status zu Stimmigkeit

  • von Karriere zu Identität

  • von Außenwirkung zu Innenwahrheit


Der gut bezahlte Posten verliert an Wert, wenn er innerlich leer macht. Viele Menschen merken: Erfolg schützt nicht vor Sinnverlust. Im Gegenteil – er kann ihn sogar verschleiern, bis er nicht mehr ignorierbar ist.


3. Die Sehnsucht nach dem Echten

Psychologisch betrachtet ist der Mensch ein zutiefst sinnliches Wesen. Er braucht Berührung, Rhythmus, Natur, Beziehung und zyklische Prozesse. Digitalisierung hingegen ist linear, schnell und abstrakt.

Die Rückkehr zu Tätigkeiten wie:

  • mit Menschen arbeiten

  • Kinder begleiten

  • Tiere versorgen

  • Gemüse anbauen

  • etwas mit den Händen erschaffen

ist eine Rückkehr zu direkter Erfahrung. Man sieht, was man tut. Man spürt Folgen unmittelbar. Man ist Teil eines Kreislaufs.


Eine Kartoffel zu ernten hat eine andere psychologische Qualität als ein Projekt-Update zu verschicken. Das eine verankert im Körper, das andere bleibt im Kopf.


4. Stadtflucht und Landsehnsucht – mehr als ein Lifestyle-Trend

Der Trend zurück aufs Land ist kein romantischer Eskapismus, sondern eine psychische Regulationsbewegung. Städte stehen für:

  • Dauerreize

  • Lärm

  • soziale Vergleichsdichte

  • Beschleunigung


Das Land hingegen bietet:

  • Rhythmus

  • Stille

  • Überschaubarkeit

  • Verbindung zu natürlichen Zyklen


Das Nervensystem reagiert darauf unmittelbar. Viele Menschen berichten, dass sie „wieder atmen können“, klarer denken, besser schlafen. Psychologisch gesprochen: Das autonome Nervensystem findet wieder in einen regulierten Zustand.


5. Selbstversorgung als psychologische Selbstermächtigung

Eigene Lebensmittel anzubauen oder Tiere zu halten ist mehr als ein ökologischer Akt. Es ist ein Akt der Selbstwirksamkeit.

In einer Welt globaler Abhängigkeiten entsteht hier ein Gefühl von:

  • Kontrolle

  • Eigenständigkeit

  • Verwurzelung


Der Mensch erlebt: Ich kann für mich sorgen.Das wirkt stabilisierend auf das Selbstwertgefühl – besonders in Zeiten globaler Unsicherheit.


6. Digitalisierung als Auslöser, nicht als Feind

Wichtig ist: Diese Bewegung ist keine Ablehnung der Digitalisierung. Im Gegenteil – sie wird oft erst durch sie möglich. Homeoffice, ortsunabhängige Arbeit, digitale Selbstständigkeit schaffen Freiräume.

Psychologisch spannend ist der Zusammenhang:

Je technischer die Welt wird, desto stärker meldet sich das Bedürfnis nach Menschlichkeit.

Die Psyche strebt nach Balance. Wenn ein Pol überbetont wird, aktiviert sich der Gegenpol.


7. Zurück zu sich selbst – nicht zurück in die Vergangenheit

Diese Bewegung ist kein Rückschritt, sondern eine Integration. Menschen wollen nicht zurück in vormoderne Zeiten, sondern vorwärts in ein menschliches Gleichgewicht.

Sie fragen:

  • Wie kann ich Technik nutzen, ohne mich selbst zu verlieren?

  • Wie kann ich arbeiten, ohne mich zu entfremden?

  • Wie kann ich leben, ohne nur zu funktionieren?


Der Wunsch, „bei sich selbst anzukommen“, ist letztlich der Wunsch nach innerer Kohärenz – dass Denken, Fühlen und Handeln wieder übereinstimmen.


8. Eine stille kollektive Bewusstseinsverschiebung

Was wir gerade beobachten, ist keine Modeerscheinung, sondern eine kollektive psychologische Anpassung. Der Mensch reagiert auf eine Welt, die schneller ist als seine Seele.

Indem er sich wieder Menschen, Tieren, Erde und echten Beziehungen zuwendet, erinnert er sich an etwas Grundlegendes:


Dass Fortschritt ohne Menschlichkeit innerlich leer bleibt.

Vielleicht ist diese Zeit weniger eine Ära der Digitalisierung –sondern der Beginn einer neuen Frage:


Wie bleiben wir menschlich in einer digitalen Welt?


Und vielleicht liegt die Antwort genau dort, wo viele gerade hingehen:

in die Stille, in die Beziehung, in der Natur – und zu sich selbst.




 
 
 

Kommentare


Featured Posts
Archive

HEILERLAUBNIS

Zulassung zur Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung eingeschränkt auf dem Gebiet der Psychotherapie

§1 Abs.3 Heilpraktikergesetz erteilt vom Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München (Bayern).

  • Tumblr Social Icon
  • Facebook
  • LinkedIn Social Icon
  • Instagram
  • Weißes Xing

KONTAKTAUFNAHME

0 151 - 55 21 22 23

praxis@benita-feller.de

bottom of page