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Wussten Sie schon?

Die Sehnsucht nach dem Echten – über das Wiederentdecken von Schönheit, Geschichte und innerer Heimat

Es ist eine stille Bewegung, die sich in vielen Menschen zeigt. Keine laute Revolution, kein klar benennbarer Trend, sondern ein leises Ziehen im Inneren. Eine Sehnsucht, die sich oft erst dann meldet, wenn man innehält. Wenn man an einem alten Haus vorbeigeht und spürt, dass es etwas erzählt. Wenn man auf einem Flohmarkt eine Kaffeekanne in die Hand nimmt, deren Glasur kleine Spuren trägt, und sich unwillkürlich fragt, an welchem Tisch sie wohl gestanden hat, welche Gespräche sie begleitet, welche Leben sie berührt hat. Oder Gläser aus den 20er Jahren. Man sieht förmlich die Abendgestellschaft in schönen Kleidern vor sich, die an ihrem Sekt nippt, während auf dem Klavier moderne, gewagte Stücke aus Paris gespielt werden. Wie sehr wurde auf diese Gläser aufgepasst, dass sie es bis heute geschafft haben?


In einer Zeit, in der vieles perfekt ist, wächst paradoxerweise das Bedürfnis nach dem Unperfekten. Neubauten sind klar, effizient, durchdacht bis ins Detail. Und doch beschreiben viele Menschen sie als kühl, als leer, als schwer zu beleben. Nicht, weil sie schlecht sind, sondern weil ihnen etwas fehlt, das sich nicht planen lässt. Ein altes Haus hingegen trägt Erinnerungen in sich. Selbst wenn diese nicht konkret benannt werden können, sind sie spürbar. Es hat Winter erlebt, Sommer, Feste, Abschiede, alltägliche Wiederholungen. Psychologisch betrachtet sucht der Mensch nicht nur Schutz und Funktion, sondern Resonanz. Er möchte sich eingebettet fühlen in etwas, das größer ist als er selbst. Viele haben mir berichtet, dass sie überrascht waren, wie durchdacht die Bauweise mit Stroh und Lehm war und wie gut sie gegen Hitze und Kälte schützt. Einfach, aber sehr schlau!


Gebrauchsgegenstände vergangener Zeiten berühren uns aus einem ähnlichen Grund. Eine alte Kaffeekanne, ein Tisch mit Gebrauchsspuren, ein Auto aus den 40er-Jahren sprechen eine andere Sprache als moderne Produkte. Sie sind nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Träger von Zeit. Man sieht ihnen an, dass sie gemacht wurden, um zu bleiben. Dass jemand sich Mühe gegeben hat. Dass Schönheit kein Zusatz war, sondern Ausdruck von Wertschätzung. Früher war Gestaltung nicht Luxus, sondern Haltung. Dinge wurden liebevoll verziert, mit Details versehen, nicht weil es effizient war, sondern weil der Mensch sich über Schönheit mit der Welt verbunden hat.


Unterkühlter Pragmatismus

Der heutige Pragmatismus hat vieles vereinfacht, beschleunigt und erleichtert. Doch die Seele folgt anderen Gesetzen als die Logik. Sie verkümmert, wenn alles nur noch funktional ist. Wenn Dinge austauschbar werden. Wenn Zeit nur noch als Ressource verstanden wird.


Die wachsende Sehnsucht nach dem Schönen und Beseelten ist deshalb keine nostalgische Verklärung der Vergangenheit, sondern eine seelische Antwort auf Entfremdung.


Sie zeigt sich darin, dass Menschen sich wieder nach Tiefe sehnen, nach Sinn, nach Beziehung – auch zu Orten und Dingen.


Besonders berührend ist es, Menschen zuzuhören, die einen alten Bauernhof restaurieren. Ihre Augen leuchten, wenn sie von freigelegten Balken erzählen, von Mauern, die wieder atmen dürfen. Es ist nicht der Besitz, der sie erfüllt, sondern das Gefühl, Teil einer Geschichte zu werden. Sie leben nicht einfach in einem Haus, sie treten in Beziehung mit ihm.


Psychologisch ist das von großer Bedeutung. Der Mensch erlebt sich nicht mehr nur als Einzelner, sondern als Glied einer Kette, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbindet. Und findet so mehr zu sich selbst.


Haltung, Respekt und Wertschätzung

In dieser Haltung liegt auch eine tiefe Wertschätzung gegenüber unserer Vorfahren. Indem wir bewahren, was sie geschaffen haben, ehren wir ihre Arbeit, ihre Mühen, ihr Leben. Und wir geben unserem eigenen Dasein Halt. Denn was den Menschen über Jahrhunderte getragen hat, waren nicht Perfektion und Effizienz, sondern Verbundenheit, Sinn und Würde. Genau das scheint heute wieder an Bedeutung zu gewinnen.


Die Sehnsucht nach dem Beseelten ist keine Modeerscheinung. Sie ist eine Rückbesinnung auf etwas zutiefst Menschliches. Auf das Bedürfnis nach Schönheit, nach Geschichte, nach innerer Heimat. Vielleicht erinnert sie uns daran, dass Leben mehr ist als Funktion und Leistung. Dass wir nicht nur nutzen, sondern auch achten dürfen. Nicht nur vorwärtsdrängen, sondern auch bewahren. Und dass genau darin eine stille, heilsame Kraft liegt, die uns wieder näher zu uns selbst führt. Besonders in der heutigen Zeit, in der wir leben.



 
 
 

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