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Wussten Sie schon?

Ich frage mal die KI: Wenn Denken, Fühlen und Selbstsein ausgelagert werden

Wir leben in einer Zeit, in der sich die Spreu vom Weizen trennt. Nicht technologisch – sondern psychologisch und menschlich. Künstliche Intelligenz ist nicht das eigentliche Thema. Das eigentliche Thema ist der Mensch und seine Bereitschaft, Verantwortung für sein inneres Erleben und seine Weiterentwicklung abzugeben.


Immer mehr Menschen fragen die KI alles:Welches Outfit soll ich tragen? Wie plane ich meinen Garten? Soll ich bei meinem Mann bleiben? Was ist das für ein Typ Mensch? Schreib mir dies, schreib mir das.

Was dabei schleichend geschieht, ist keine Arbeitserleichterung, sondern eine Delegation des eigenen inneren Kompasses und Denkens. Dort, wo früher Denken, Spüren, Abwägen, Unsicherheit aushalten und innere Reifung stattfanden, tritt heute eine externe Instanz, die schnelle Antworten liefert – oft glatt, logisch klingend, an den Fragenden angepasst und innerlich leer.


Das Ende des inneren Dialogs

Psychologisch betrachtet ist Denken kein reines Problemlösen. Denken ist ein Beziehungsvorgang – zu sich selbst. Wer sich ständig Antworten von außen holt, verkümmert im inneren Dialog. Das Gehirn wird nicht gefordert, Gefühle werden nicht integriert, Ambivalenzen nicht ausgehalten.

Noch gravierender ist der Verlust des Körpergefühls: Möchte mein Körper heute laufen gehen – oder braucht er Ruhe? Was tut mir wirklich gut? Bin ich müde, überreizt, traurig, lebendig?

Stattdessen: Wie viele Schritte fehlen noch? Was sagt die App? Was empfiehlt die KI? Die AppleWatch kontrolliert mich und sagt mir, wie ich mich fühle.

In dem Moment, in dem wir Gefühle, Bedürfnisse und Entscheidungen auslagern, verlieren wir uns selbst. Und der Weg zurück ist schwer, weil das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung langsam erodiert.


Das Gegenteil von Selbstwert

Selbstwert, Selbstachtung und Selbstbewusstsein entstehen nicht durch richtige Antworten. Sie entstehen durch Selbstkontakt. Durch das Erleben: Ich spüre mich. Ich denke selbst. Ich halte Unsicherheit aus. Ich entscheide.

Wer diese Prozesse an eine KI abgibt, trainiert nicht Effizienz, sondern Abhängigkeit. Psychologisch gesehen ist das das genaue Gegenteil von innerer Stärke. Es ist ein schleichender Prozess der Entmündigung – freiwillig, bequem, oft unbemerkt.

Und ja, man darf das drastisch sagen:Menschen, die dauerhaft aufhören, selbst zu denken, zu fühlen und zu entscheiden, riskieren eine Form von innerer Verarmung. Nicht als Diagnose, sondern als Entwicklung: geistige Trägheit, emotionale Abstumpfung, Orientierungslosigkeit.


Ein bekanntes Experiment: Die Spielkonsolen-Generation

Wir kennen dieses Muster bereits. Als Spielkonsolen und digitale Medien massenhaft Einzug hielten, war die Euphorie groß. Heute zeigen zahlreiche Studien, was frühe, intensive Nutzung bewirkt hat: Konzentrationsschwierigkeiten,verminderte Lesekompetenz, Bewegungsmangel, Entfremdung von Natur, Körper und sozialem Erleben.

Man könnte sagen: Es war ein Generationenexperiment. Erst im Rückblick wurde sichtbar, was dem Menschen genommen wurde, nicht nur was ihm gegeben wurde.

KI ist nun die nächste Testphase. Nur subtiler. Tiefer. Psychologisch intimer.


KI als Werkzeug – nicht als innerer Ersatz

Es geht nicht um Verteufelung. KI kann sinnvoll sein: im Beruf, bei Struktur, bei Recherche, bei kreativer Unterstützung.

Der entscheidende Unterschied liegt im privaten, inneren Raum. Dort, wo Sinn entsteht. Dort, wo Werte entstehen. Dort, wo Beziehungen entschieden werden. Dieser Raum ist ein Heiligtum.

Wer sagt: Mein Inneres, meine Gefühle, meine Körperwahrnehmung, meine Lebensentscheidungen – die gebe ich nicht ab, schützt nicht nur seine Autonomie, sondern sein Menschsein.

Denn das Abgeben dieses Raumes ist kein technischer Schritt. Es ist ein existenzieller.


Eine bewusste Entscheidung

Wir stehen an einem Punkt, an dem Erfahrung vorhanden ist. Wir wissen, dass technischer Fortschritt nicht automatisch menschlichen Fortschritt bedeutet. Wir wissen, dass Bequemlichkeit oft einen hohen Preis hat.

Jetzt entscheidet sich, wer bewusst lebt – und wer sich leben lässt. Intellektuelle, wache, reflektierte Menschen werden nicht gegen Technologie sein. Aber sie werden für den natürlichen Weg des Menschen sein: Denken, Fühlen, Spüren, Zweifeln, Wachsen. Statt ständig kontrollieren oder sich kontrollieren lassen, wie mein Körper funktionier, mir mit Selbstvertrauen meinem Geist und meinem Körper begegenen. Wieder mehr fühlen und spüren, auf meinen Körper eingehen, meinem Geist Ruhe und Raum gönnen. Mir selbst liebevoll begegnen.

Nicht alles, was gefragt werden kann, sollte gefragt werden. Und nicht jede Antwort, die verfügbar ist, sollte angenommen werden.

Manches muss im eigenen Inneren entstehen – langsam, unsicher, lebendig. Genau dort beginnt echte Selbstachtung.



 
 
 

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