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Wussten Sie schon?

Orientierung entsteht im Kontakt – nicht im Kopf

Warum wir uns in Übergängen oft verloren fühlen – und wie Beziehung wieder Halt geben kann

„Eine Gestalt entsteht aus dem Bedürfnis, sich zu orientieren – sich in Beziehung zur Welt zu setzen.“– Laura Perls

Wenn wir mitten in einem Wandel stecken – sei es durch persönliche Krisen, berufliche Veränderungen, einen Rollenwechsel oder Teamdynamiken – dann verlieren wir zunächst oft eines: Orientierung.

Was gestern noch funktioniert hat, trägt heute nicht mehr.Das Alte ist nicht mehr stimmig – das Neue noch nicht greifbar.Wir denken nach, suchen Lösungen, erstellen Pläne – und doch bleibt das Gefühl:Ich finde mich nicht mehr zurecht.

In der Gestalttherapie gehen wir davon aus:Orientierung ist keine rein kognitive Leistung. Sie entsteht im Kontakt.Mit der Umwelt. Mit anderen Menschen. Mit unseren eigenen Empfindungen.Sie ist nicht linear, sondern lebendig, beziehungsbezogen, prozessorientiert.


Was bedeutet Orientierung eigentlich?

Orientierung bedeutet, eine innere oder äußere Ausrichtung zu spüren:

  • Wer bin ich – in diesem Moment, in diesem Kontext?

  • Was ist mir jetzt wichtig?

  • Worauf kann ich mich verlassen – in mir und im Außen?

Das klingt selbstverständlich, ist aber in Phasen des Übergangs oft zutiefst erschüttert.Ob es sich um eine neue Führungsrolle, einen privaten Umbruch, einen Verlust oder eine kollektive Krise handelt:Wenn vertraute Bezugspunkte wegbrechen, entsteht Desorientierung.

In unserer Kultur wird dieses Gefühl häufig überdeckt:durch Aktionismus, Problemlösungen, „nach vorne schauen“.Doch dieser Impuls ist trügerisch – und manchmal sogar hinderlich.


Warum wir mit „Schnelllösungen“ oft scheitern

In vielen Arbeitskontexten – besonders in Führung, Beratung und Change-Prozessen – ist der Druck hoch, schnell Klarheit und Ergebnisse zu liefern.Doch wer vorschnell in Lösungen springt, überspringt oft den eigentlichen Kontakt:

  • Mit den unangenehmen Gefühlen: Frustration, Ohnmacht, Angst, Wut.

  • Mit der Verwirrung: „Ich weiß gerade nicht, wie es weitergeht.“

  • Mit der Komplexität des Moments, die nicht sofort reduzierbar ist.

Diese Zustände wollen gesehen werden. Sie haben eine Funktion:Sie zeigen an, dass etwas nicht mehr stimmig ist – und dass Raum gebraucht wird, um sich neu auszurichten.

Wer das Unangenehme übergeht, verliert Beziehung – und damit auch Orientierung.

In Teams bedeutet das: Der Wunsch nach schnellen Lösungen kann Beziehungen gefährden, Vertrauen untergraben und zu innerem oder offenem Widerstand führen.In der Einzelarbeit bedeutet es: Der Weg zu neuer Klarheit führt nicht über Kontrolle – sondern über Kontakt.


Orientierung als schöpferischer Akt

In der Gestalttherapie verstehen wir Orientierung nicht als Ziel auf einer Landkarte.Sondern als einen lebendigen Prozess, der sich in der Beziehung zur Umwelt immer wieder neu gestaltet.

Orientierung entsteht durch:

  • Wahrnehmung dessen, was jetzt ist – ohne zu bewerten

  • Kontaktaufnahme mit dem inneren Erleben – auch mit Ungewissheit

  • Dialog – mit sich selbst und anderen

  • Spürende Entscheidung im Moment: Was fühlt sich jetzt stimmig an?

Dieser Prozess ist nicht kontrollierbar, aber gestaltbar.Er erfordert Mut, Geduld – und einen Raum, in dem Unsicherheit sein darf.


Warum das für unser Nervensystem wichtig ist

Unser autonomes Nervensystem sucht ständig nach Orientierung:Bin ich sicher? Bin ich verbunden? Muss ich kämpfen, fliehen – oder darf ich entspannen?

In Übergangsphasen ist dieses Sicherheitssystem oft überfordert.Wenn kein klares „Ja“ oder „Nein“ spürbar ist, entsteht innerer Alarm: Stress, Unruhe, Druck, Angst.

Kontakt – mit einem anderen Menschen, mit dem gegenwärtigen Moment, mit dem Körper – kann das Nervensystem beruhigen.Wenn ich spüre: Ich bin da. Du bist da. Etwas bewegt sich.Dann entsteht wieder ein Gefühl von Erdung – auch ohne fertige Lösung.


Der Weg zur Orientierung führt durch den Kontakt

Gerade Führungskräfte oder Menschen mit viel Verantwortung erleben häufig, dass sie „funktionieren müssen“.Doch echte Führung braucht kein schnelles Antworten – sondern ein echtes Sich-Zeigen.Ich weiß es gerade nicht.Ich bin betroffen.Ich bin unsicher – und bleibe in Verbindung.

Das ist keine Schwäche – sondern menschliche Präsenz.Sie schafft Resonanz, Vertrauen und echte Veränderungsfähigkeit.


Reflexionsimpulse

  • Wo in deinem Leben oder Beruf erlebst du gerade Desorientierung oder Übergänge?

  • Was versuchst du vielleicht zu schnell zu „lösen“ – statt es zunächst zu fühlen?

  • Welche Beziehung – zu dir selbst oder zu anderen – könnte dir jetzt helfen, wieder Orientierung zu finden?


Fazit: Orientierung ist Beziehung

Orientierung geschieht nicht im isolierten Denken.Sie entsteht dort, wo wir uns erlauben, in Beziehung zu treten:Mit dem, was da ist. Mit uns selbst. Mit dem Leben.

Nicht der Plan bringt Sicherheit – sondern das spürbare Erleben von Verbindung.Dann, und erst dann, zeigt sich der nächste stimmige Schritt.


ree

 
 
 

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