Samhain – Wenn die Schleier dünner werden
- info44776

- 8. Okt.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Ein psychologischer Blick auf das heidnische Fest des Übergangs, der Dunkelheit und des Loslassens
Samhain ist mehr als der Ursprung von Halloween – es ist ein uraltes keltisches Fest über Vergänglichkeit, Wandel und Neubeginn. Ein psychologisch inspirierender Einblick in die Zeit, in der die Schleier zwischen den Welten dünner werden.
Was ist Samhain?
Ursprung und Bedeutung des alten Totenfestes
Samhain (ausgesprochen Sow-in) ist eines der ältesten Feste Europas. Seine Wurzeln reichen über 2000 Jahre zurück, in die Zeit der keltischen Kulturen Irlands, Schottlands und Galliens.Für die Kelten war Samhain der Beginn des neuen Jahres – der Übergang vom hellen in den dunklen Teil des Jahres. Wenn die Ernte eingebracht und die Felder leer waren, begann eine Phase der Ruhe, der Rückkehr und der inneren Einkehr.
Man glaubte, dass in dieser Nacht – der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November – die Schleier zwischen den Welten dünn würden. Die Geister der Ahnen konnten zurückkehren, und man ehrte sie mit Lichtern, Speisen und Geschichten.Diese symbolische Verbindung zu den Verstorbenen hat sich im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelt:
Aus Samhain wurde im Christentum Allerheiligen und Allerseelen.
In Nordamerika entwickelte sich daraus das volkstümliche Halloween.
Heute feiern viele neuheidnische Gruppen, Naturspirituelle und Bewusstseinspraktizierende Samhain wieder bewusst – als Fest des Wandels, des Abschieds und der seelischen Erneuerung.
Die psychologische Bedeutung von Samhain
Warum Dunkelheit für die Seele wichtig ist
Samhain ist nicht nur ein mythologisches Fest, sondern ein tiefpsychologisches Symbol.In der Sprache der Seele steht es für Tod, Transformation und Neubeginn – Prozesse, die wir alle immer wieder durchlaufen.
Psychologisch betrachtet repräsentiert Samhain eine liminale Phase – eine Schwelle zwischen zwei Zuständen: Das Alte ist vorbei, das Neue noch nicht da. Solche Übergänge lösen oft Unsicherheit aus, doch sie sind notwendig für persönliches Wachstum.
„Nichts Neues kann entstehen, wenn das Alte nicht losgelassen wird.“
In der modernen Welt fällt es uns schwer, mit Enden umzugehen. Wir wollen konstant funktionieren, produktiv sein, weitermachen.Samhain erinnert uns daran, dass Stillstand keine Schwäche ist, sondern eine Phase der inneren Verarbeitung – ähnlich wie die Natur, die im Winter ruht, um im Frühling neu zu erwachen.
Die Archetypen der Dunkelheit
C. G. Jung und der Schatten zur Samhain-Zeit
C. G. Jung, der Begründer der Analytischen Psychologie, prägte den Begriff des Schattenaspekts – jener Teil der Persönlichkeit, den wir oft verdrängen oder ablehnen.Wenn im Jahreskreis die Dunkelheit zunimmt, verstärkt sich auch der Ruf unseres inneren Schattens: Ängste, Trauer, unbewältigte Themen steigen an die Oberfläche.
Samhain bietet uns die Möglichkeit, diese Aspekte bewusst wahrzunehmen.Statt sie zu bekämpfen, können wir sie mit Mitgefühl betrachten. So verwandelt sich Dunkelheit in Tiefe, und der Schatten wird zum Lehrer.
Psychologisch gesehen ist Samhain also ein kollektiver Prozess der Schattenintegration – eine Zeit, in der das Unbewusste spricht und Heilung geschehen darf.
Rituale für innere Einkehr und Loslassen
Kleine Handlungen mit großer Wirkung
Du musst keine keltischen Wurzeln haben, um Samhain zu feiern. Das Fest lebt von seiner Symbolik – und diese lässt sich wunderbar in den Alltag integrieren.
Hier sind einige einfache, aber wirkungsvolle Rituale:
🕯️ Kerze für die AhnenZünde eine Kerze an und denke an Menschen, die nicht mehr da sind. Spüre Dankbarkeit für das, was sie hinterlassen haben.
✍️ Loslass-BriefSchreibe auf, was du in diesem Jahr loslassen möchtest – alte Ängste, belastende Gedanken, vergangene Beziehungen – und verbrenne den Zettel symbolisch.
🌙 Ritual der StilleVerbringe einen Abend in völliger Ruhe. Keine Musik, kein Handy. Nur dein Atem, dein Herz, deine Gedanken. Was zeigt sich in der Stille?
Diese symbolischen Handlungen sind psychologisch wertvoll: Sie aktivieren unser Unbewusstes, fördern emotionale Integration und schaffen Raum für Erneuerung.
Leben, Tod und Neubeginn
Samhain als Spiegel der Seele
Samhain erinnert uns daran, dass Leben und Tod, Licht und Schatten, Beginn und Ende untrennbar miteinander verbunden sind.Psychologisch gesehen geht es nicht um den physischen Tod, sondern um die vielen kleinen Tode, die das Leben mit sich bringt – das Ende einer Phase, eines Jobs, einer Identität.
Wenn wir lernen, diese Übergänge bewusst zu gestalten, anstatt sie zu vermeiden, wächst unsere innere Stärke.Samhain ist also ein Fest der bewussten Transformation – ein Ritual, das uns lehrt, dass jedes Ende auch einen neuen Anfang in sich trägt.
Fazit: Die Heilkraft des Loslassens
In einer Welt, die oft nur Licht und Wachstum feiert, bringt Samhain die vergessene Hälfte des Lebens zurück: Dunkelheit, Rückzug, Abschied.Doch genau hier liegt die psychologische Heilkraft dieses alten Festes.
Samhain lädt uns ein, die Zyklen des Lebens wieder zu spüren – zu akzeptieren, dass nichts ewig ist, aber alles Bedeutung hat.Wer den Mut hat, in die Dunkelheit zu schauen, entdeckt dort nicht nur das Ende, sondern auch den Anfang von etwas Neuem.

Kommentare