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Wussten Sie schon?

Sterblichkeit annehmen – Warum der Tod ins Leben gehört

Der Tod ist sicher – und doch sprechen wir kaum über ihn. In unserer westlichen Kultur ist er oft ein Tabu, ein unangenehmer Gedanke, den man lieber verdrängt. Wir schieben ihn an den Rand, decken ihn mit Aktivität, Ablenkung und Kontrolle zu. Doch das hat einen Preis: Wer den Tod ausklammert, klammert oft auch das Leben aus.


Der existenzielle Psychotherapeut Irvin D. Yalom beschreibt es eindringlich:

„Wer sich dem Tod stellt, lernt intensiver zu leben.“

Warum sollten wir uns mit dem Tod beschäftigen?

1. Weil er untrennbar zum Leben gehört

Sterblichkeit ist keine Störung des Lebens – sie ist seine Voraussetzung. Unsere Endlichkeit verleiht den Momenten Tiefe. Jeder Tag, jede Begegnung, jedes Gefühl ist kostbar gerade weil es vergänglich ist.

Wer die Endlichkeit leugnet, lebt oft im Modus „später, irgendwann“ – und verpasst das Jetzt.Wer sie annimmt, lebt bewusster, echter, gegenwärtiger.

2. Weil Verdrängung Angst nährt

Viele Menschen erleben eine diffuse Angst vor dem Tod – manchmal unbewusst, manchmal als existentielle Unruhe, die sich z. B. in Perfektionismus, Kontrollbedürfnis oder Sinnleere äußert.

Die Angst vor dem Tod lässt sich nicht „wegdenken“. Doch sie kann verwandelt werden, wenn wir beginnen, uns ehrlich mit ihr auseinanderzusetzen:

  • Was macht mir Angst am Tod?

  • Was glaube ich, verliere ich – und was könnte bleiben?

  • Was bedeutet Sterben für mich – und was bedeutet Leben?

3. Weil sie uns hilft, Prioritäten zu klären

Wer sich mit dem Tod auseinandersetzt, fragt sich früher oder später:

  • Was ist mir wirklich wichtig?

  • Was will ich noch erleben, sagen, vergeben?

  • Wofür lohnt es sich, zu leben – auch mit Schmerzen, auch mit Risiko?

Der Tod zwingt uns, ehrlich zu werden. Vieles, was wir für wichtig hielten, relativiert sich. Andere Dinge – Liebe, Verbindung, Wahrheit – bekommen neues Gewicht.

4. Weil wir besser altern, wenn wir Frieden mit dem Tod schließen

Yalom schreibt sinngemäß:

„Wer den Tod akzeptiert, wird freier – und glücklicher alt.“

Viele Ängste im Alter entstehen nicht aus körperlichem Verfall, sondern aus ungelöster Angst vor der Endlichkeit. Menschen, die sich schon früher mit der eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen, können das Alter oft als Zeit der Reife, der Freiheit und der inneren Ruhe erleben – statt als Phase des Schwindens.


Psychologisch betrachtet: Was bedeutet es, die Sterblichkeit anzunehmen?

Nicht dramatisieren – nicht verdrängen

Es geht nicht darum, sich ständig mit dem Tod zu beschäftigen – sondern darum, ihm einen Platz im Inneren zu geben. Ihn als stillen Begleiter zu akzeptieren, statt ihn zu fürchten oder zu leugnen.

Dem Leben Tiefe geben

Die Beschäftigung mit dem Tod ist paradox: Sie führt nicht in Dunkelheit, sondern in Lebendigkeit. Viele Menschen berichten nach Nahtoderfahrungen oder schweren Erkrankungen, dass sie danach intensiver, bewusster, liebevoller leben.

Unvollkommenheit zulassen

Wer akzeptiert, dass das Leben endlich ist, muss es nicht „perfekt“ machen. Es geht nicht um Kontrolle, sondern um Verbundenheit, Echtheit, Spüren. Das nimmt Druck – und schenkt inneren Frieden.


Wie können wir uns dem Thema Tod annähern?

  • Gespräche führen: Mit vertrauten Menschen über Wünsche, Ängste, Vorstellungen sprechen

  • Eigene Abschiedswünsche formulieren: Patientenverfügung, letzte Briefe, spirituelle Gedanken

  • Philosophische oder literarische Auseinandersetzung (z. B. Werke von Yalom, Kübler-Ross, Tolstoi)

  • Achtsamkeit und Meditation: In der Stille lernen, loszulassen – gedanklich und emotional

  • Therapeutische Begleitung: Besonders bei existenzieller Angst, unerledigter Trauer oder Todesnähe


Ich begleite Menschen in ihrer Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Sinn

In meiner Praxis begleite ich Menschen, die sich – freiwillig oder durch Krankheit, Verlust oder Alter – mit der Endlichkeit ihres Lebens auseinandersetzen müssen oder möchten.

Ob es um Angst vor dem Tod, unerledigte Konflikte, Trauer oder die Frage nach dem Sinn geht – es ist heilsam, einen geschützten Raum zu haben, in dem diese Themen sein dürfen. Ohne Verharmlosung. Ohne spirituellen Druck. Einfach menschlich.

Wer lernt, mit dem Tod zu leben, lernt oft, sich selbst zu begegnen – und das Leben wirklich zu umarmen.

Fazit

Der Tod ist kein Feind. Er ist ein Teil des Lebens – und ein Lehrer für Tiefe, Echtheit und Dankbarkeit. Wer sich ihm nicht stellt, lebt oft flach, im Aufschub, in Angst.Wer ihn anerkennt, kann leichter loslassen – und zugleich viel tiefer lieben, lachen, leben.

Wie Yalom sagt:„Wenn wir unsere Endlichkeit wirklich begreifen, wird jeder Moment zu einem Geschenk.“

ree

 
 
 

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