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Wussten Sie schon?

Stolz auf die Vorfahren – Wurzeln, Flüsse der Geschichte und die Verantwortung der Gegenwart

Es gibt ein leises, warmes Ziehen in der Seele, wenn wir an die Menschen denken, die vor uns lebten. Nicht die großen Schlagzeilen der Geschichte, nicht die Macht und der Ruhm, sondern das unscheinbare, beständige Leben der Vorfahren, ihre Hände, ihr Schaffen, ihre Träume. Dieses Ziehen ist Stolz – ein Stolz, der tief verwurzelt ist und zugleich Flügel verleiht.


Wer durch die alten Städte Schlesiens wandert oder die sanft geschwungenen Hügel der Oberlausitz betrachtet, spürt die Spuren jener, die dort lebten. Die Fachwerkhäuser erzählen von Geduld und handwerklicher Meisterschaft, von der Kunst, Steine, Holz und Ziegel zu verbinden, sodass sie nicht nur Schutz boten, sondern Schönheit ausstrahlten. Was zum Glück durch die Menschen liebevoll restauriert und erhalten wird. Hier steppte mal der Bär, hier waren mal viele Fabriken. Jede Ritze, jede Delle ist ein Gedächtnis, ein Echo der Menschen, die dort Kinder großzogen, Feste feierten, Abschiede erlebten. Hier zeigt sich, dass Stolz nicht in der Perfektion liegt, sondern in der Würde des Machens, in der Hingabe zum Detail.


Auch in Wissenschaft und Technik hinterließen Deutsche bleibende Spuren, die uns bis heute inspirieren. Friedrich Wöhler synthetisierte den Harnstoff und legte damit den Grundstein für die moderne organische Chemie. Otto von Guericke demonstrierte mit seinen Vakuumexperimenten in Magdeburg die Existenz des Luftdrucks, während Carl Friedrich Gauß als Mathematiker und Astronom die Grundlagen moderner Naturwissenschaft legte. Rudolf Virchow veränderte die Medizin durch seine Zelltheorie, Ferdinand Lassalle kämpfte für soziale Gerechtigkeit, und Alexander von Humboldt brachte mit seinen Reisen und Forschungen eine neue Sicht auf die Natur und die Weltordnung. Karl von Drais erfand die Laufmaschine, Vorläufer des Fahrrads, und Gottlieb Daimler legte mit seinen Motoren den Grundstein für das Automobil – Zeugnisse von Neugier, Innovation und Tatkraft.


Doch Stolz auf die Vorfahren umfasst nicht nur die großen Namen. Er zeigt sich in der Kultur, die Menschen schufen, in den Händen der Schmiede, Weber, Brauer, Tischler und Lehrer, die ihre Zeit in Werke legten, die Bestand haben. Die Textilkunst der Oberlausitz, die filigrane Holzschnitzerei in Schlesien, die präzise Technik der Buchdruckkunst in Nürnberg – all dies sind Zeugnisse einer Verbindung von Geist, Herz und Hand, Ausdruck von Kreativität und Liebe zum Detail.


Psychologisch betrachtet verleiht uns dieses Wissen Stärke. Es vermittelt Identität, ein Gefühl von Zugehörigkeit, von Kontinuität. Wer die Wurzeln kennt, wer die Mühen und Errungenschaften der Vorfahren würdigt, spürt Halt in sich selbst. Stolz auf die Vergangenheit ist nicht Hochmut, sondern Anker. Er lehrt Respekt vor dem Leben, vor der Arbeit, vor der Mühe anderer. Und er öffnet den Blick für Verantwortung: Verantwortung, das Erbe weiterzuführen, unsere Gegenwart bewusst zu gestalten und die Zukunft mit Bedacht zu formen.


Denn Geschichte ist niemals nur Glanz. Sie ist auch Konflikt, Krieg, Leid. Grenzen wurden gezogen und verschoben, Menschen wurden entwurzelt, Familien auseinandergerissen. Es ist ein wichtiger Teil des Stolzes, diese dunklen Kapitel nicht zu vergessen. Sie erinnern uns daran, dass Stärke ohne Verantwortung gefährlich wird, dass Fortschritt ohne Rücksicht auf Menschlichkeit zu Katastrophen führen kann. Heute zeigt sich umso mehr, dass die Liebe zum eigenen Volk und dessen Schutz, sowie Diplomatie und Verständigung gegenüber anderen Völkern der Weg sind, der das Bewahren von Stolz und Würde mit Frieden verbindet.


Vielleicht liegt genau darin die Schönheit des Stolzes: Er ist nicht Selbstherrlichkeit, sondern Erinnerung. Er ist nicht Triumph, sondern Verbindung. Er zieht eine unsichtbare Linie von den Händen der Schmiede, der Wissenschaftler, der Künstler und Denker, die vor Jahrhunderten wirkten, bis in unsere eigenen Hände. Er fließt durch die Städte, durch die Bücher, durch die alten Häuser, durch jedes handwerklich gefertigte Detail, das wir heute noch berühren. Und in dieser Verbindung liegt nicht nur Kraft, sondern auch Liebe – Liebe zur Geschichte, Liebe zum Tun, Liebe zur Verantwortung.


Stolz auf die Vorfahren bedeutet, zu wissen, woher wir kommen, um zu verstehen, wer wir sind und wohin wir gehen. Es bedeutet, die Errungenschaften zu feiern, die Schönheit zu bewahren, die Kultur zu achten und die Fehler zu erkennen, damit wir selbstbewusst, verantwortungsvoll und mitfühlend handeln können.


In dieser Balance zwischen Bewunderung und Reflexion, zwischen Feier und Verantwortung, zwischen Licht und Schatten liegt die wahre Größe des Stolzes – und darin liegt auch eine leise, poetische Weisheit, die uns nährt und trägt, wie die Flüsse, die durch Schlesien und die Oberlausitz fließen, seit Jahrhunderten stetig, still und voller Leben.



 
 
 

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