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Wussten Sie schon?

Warum lassen sich manche Menschen mehr beeinflussen als andere?

Psychologische und neuronale Hintergründe von Beeinflussbarkeit

Warum glauben manche Menschen alles, was sie hören – während andere kritisch hinterfragen? Warum schließen sich manche extremen Gruppen, Verschwörungstheorien oder charismatischen Führern an – und andere nicht?

Die Antwort liegt in der Psychologie und Neurowissenschaft: Beeinflussbarkeit ist keine Schwäche, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Persönlichkeit, Erfahrungen, Hirnprozessen und emotionaler Verfassung.

In diesem Artikel erfährst du:

  • Was psychologisch hinter Beeinflussbarkeit steckt

  • Welche Rolle das Gehirn spielt

  • Wer besonders anfällig ist – und warum

  • Wie man sich vor Manipulation schützen kann


Was bedeutet "Beeinflussbarkeit"?

Beeinflussbarkeit beschreibt, wie stark sich jemand durch andere Menschen, Meinungen oder Reize in Denken, Fühlen oder Verhalten verändern lässt. Dabei geht es nicht nur um offensichtliche Manipulation – sondern auch um subtile Effekte:

  • Gruppendruck

  • Werbung

  • emotionale Appelle

  • charismatische Autoritäten

  • "Mitläufer-Effekte"

Alle Menschen sind beeinflussbar – doch der Grad unterscheidet sich stark.


Psychologische Gründe für hohe Beeinflussbarkeit

1. Geringes Selbstwertgefühl

Menschen, die wenig Vertrauen in sich selbst haben, neigen dazu, externe Meinungen über ihre eigene Wahrnehmung zu stellen. Sie suchen Orientierung im Außen – und übergeben unbewusst die Verantwortung für Entscheidungen.

2. Starke Bedürftigkeit nach Zugehörigkeit

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Doch manche haben ein besonders starkes Bedürfnis nach Anerkennung und sozialer Eingliederung.Sie neigen dazu, sich an Gruppen anzupassen, um Ablehnung zu vermeiden – auch wenn es gegen die eigene Überzeugung geht.

Bekannte Experimente wie das Asch-Konformitätsexperiment zeigen: Menschen widersprechen oft nicht einmal offensichtlichen Fehlern, wenn sie sich in der Minderheit fühlen.

3. Autoritätsgläubigkeit

Wer in autoritären Strukturen aufgewachsen ist oder gelernt hat, Autoritäten nicht zu hinterfragen, neigt dazu, externe "Leitfiguren" zu idealisieren – seien es Politiker, Gurus, Ärzte oder Influencer.

4. Hohe Suggestibilität

Manche Menschen sind von Natur aus empfänglicher für Suggestionen, d. h. unterschwellige Beeinflussung. Das kann genetisch bedingt sein, oder durch frühe Erfahrungen verstärkt werden.


Was passiert im Gehirn?

1. Amygdala: Angst macht beeinflussbar

Die Amygdala ist das Angstzentrum des Gehirns. Wenn wir Angst haben, reagiert sie schnell und emotional – oft bevor der Verstand einschalten kann. Beeinflussung durch Angst (z. B. Weltuntergangsszenarien, Panikmache) wirkt besonders stark, wenn:

  • die Amygdala hochaktiv ist

  • der präfrontale Kortex, zuständig für Reflexion und Logik, gehemmt wird

Das erklärt, warum Menschen in Angstzuständen leichter manipulierbar sind.

2. Belohnungssysteme: Zustimmung fühlt sich gut an

Das mesolimbische Belohnungssystem (v. a. Dopamin) wird aktiviert, wenn wir Zustimmung, Anerkennung oder soziale Bestätigung bekommen. Wer sehr sozial abhängig ist, kann regelrecht „süchtig“ nach Zustimmung werden – und passt sich dafür unbewusst an.

3. Spiegelneuronen: Wir nehmen mehr auf, als wir merken

Spiegelneuronen ermöglichen Empathie – aber auch emotionale Ansteckung. In Gruppen oder Medienkonsum (z. B. durch emotionale Reden oder Dramatisierungen) können Menschen regelrecht mitgerissen werden.


Wer ist besonders anfällig?

  • Menschen in Krisensituationen (z. B. Verlust, Trennung, Krankheit)

  • Jugendliche in der Identitätsentwicklung

  • Menschen mit unsicherer Bindung

  • Personen mit hoher Empfänglichkeit für Emotionen, aber wenig kritischer Distanz

  • Menschen, die früher negative Erfahrungen mit Autonomie gemacht haben (z. B. durch Kontrolle, Gewalt oder Angst)


Wie schützt man sich vor Manipulation?

  1. Selbstreflexion stärken: Was denke ich wirklich – unabhängig von anderen?

  2. Medienkompetenz entwickeln: Quellen prüfen, bewusst konsumieren

  3. Emotionen beobachten: Was löst Angst oder Euphorie aus – und warum?

  4. Eigene Werte kennen: Wer weiß, wofür er steht, ist schwerer zu lenken

  5. Sich mit Andersdenkenden austauschen: Nicht zur Echokammer werden


Fazit: Beeinflussbarkeit ist menschlich – aber nicht schicksalhaft

Jeder ist beeinflussbar – das ist Teil unseres sozialen Gehirns. Doch wie stark und in welche Richtung, hängt von vielen inneren Faktoren ab. Wer sich selbst gut kennt, achtsam bleibt und sich kritisch mit Meinungen auseinandersetzt, kann äußere Einflüsse bewusst steuern – statt gesteuert zu werden.

Freiheit beginnt im Denken. Und Denken beginnt mit Bewusstheit.

ree

 
 
 

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