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Wussten Sie schon?

Warum Leistung nicht gleich Wert ist

Viele Menschen glauben – oft ohne es bewusst zu merken – dass ihr Wert davon abhängt, was sie leisten. Wie viel sie schaffen. Wie belastbar sie sind. Wie erfolgreich, effizient oder nützlich sie wirken.

Therapeutisch begegnet uns dieser Glaubenssatz täglich. Er ist einer der stillsten und zugleich wirksamsten Treiber von Erschöpfung, Selbstzweifeln und innerer Leere.


Der Ursprung des Leistungswertes

Der Zusammenhang zwischen Leistung und Wert entsteht selten im Erwachsenenalter. Er wird früh gelernt.

Kinder erleben:

  • Anerkennung für gutes Funktionieren

  • Lob für Anpassung und Leistung

  • Zuwendung für „braves“ Verhalten

Unbewusst entsteht die Gleichung:Ich bin wertvoll, wenn ich etwas leiste.

Diese Gleichung wirkt später weiter – auch dann, wenn niemand sie mehr ausspricht.


Leistung als Bindungsstrategie

Therapeutisch betrachtet ist Leistungsorientierung oft keine Charaktereigenschaft, sondern eine Bindungsstrategie.

Leistung wird zum Mittel, um:

  • Anerkennung zu sichern

  • Ablehnung zu vermeiden

  • Kontrolle zu behalten

  • Sicherheit zu spüren

Das Problem: Bindung, die an Leistung geknüpft ist, fühlt sich nie sicher an. Sie muss ständig neu verdient werden.


Was psychologisch passiert

Wenn Wert an Leistung gebunden ist:

  • entsteht permanente innere Anspannung

  • werden Fehler als Bedrohung erlebt

  • fällt Selbstwert bei Krankheit, Pause oder Scheitern zusammen

Viele Menschen berichten:„Wenn ich nichts leiste, fühle ich mich wertlos.“

Das ist kein Mangel an Selbstdisziplin – sondern ein verletztes Selbstwertfundament.


Der Körper zahlt den Preis

Neurologisch hält der Leistungsdruck das Stresssystem aktiv:

  • erhöhte Cortisol-Ausschüttung

  • Überaktivierung der Amygdala

  • eingeschränkte Emotionsregulation

Langfristig entstehen:

  • Erschöpfung

  • Schlafstörungen

  • psychosomatische Beschwerden

  • Burnout

Nicht weil Menschen zu wenig leisten – sondern weil sie zu viel tragen müssen, um sich wertvoll zu fühlen.


Der innere Kritiker

Leistungsorientierte Menschen entwickeln häufig einen starken inneren Kritiker:

  • „Das reicht nicht.“

  • „Du musst mehr tun.“

  • „Andere schaffen das auch.“

Dieser innere Kritiker ist selten grausam, um zu schaden. Er will schützen – vor Ablehnung, vor Bedeutungslosigkeit, vor Verlust von Zugehörigkeit.

Doch was einst Schutz war, wird zur inneren Belastung.


Leistung ist sichtbar – Wert nicht

Gesellschaften lieben Leistung, weil sie messbar ist:

  • Zahlen

  • Titel

  • Ergebnisse

  • Produktivität

Wert hingegen ist nicht messbar. Er zeigt sich im Menschsein:

  • im Dasein

  • im Fühlen

  • im Verbundensein

  • in Würde

Therapeutisch ist es entscheidend, diesen Unterschied wieder erfahrbar zu machen.


Der therapeutische Perspektivwechsel

In der Therapie geht es nicht darum, Leistung abzulehnen. Leistung darf da sein. Aber sie darf nicht mehr das Fundament des Selbstwertes bilden.

Zentrale therapeutische Fragen sind:

  • Wer bin ich, wenn ich nichts leiste?

  • Was bleibt von mir, wenn ich nicht funktioniere?

  • Darf ich sein, ohne zu beweisen?

Diese Fragen sind oft beängstigend – und zugleich heilsam.


Vom Leisten zum Sein

Heilung bedeutet, den inneren Wert vom äußeren Tun zu lösen.

Therapeutisch unterstützt wird dies durch:

  • Selbstmitgefühl

  • Anerkennung eigener Grenzen

  • Würdigung der eigenen Geschichte

  • Aufbau innerer Sicherheit

  • korrigierende Beziehungserfahrungen

Menschen beginnen zu spüren:Ich bin wertvoll, auch wenn ich müde bin. Auch wenn ich nichts schaffe. Auch wenn ich einfach nur da bin.


Warum das so schwer ist

Viele Menschen fürchten:

  • Bedeutungslosigkeit

  • Ablehnung

  • Stillstand

Doch therapeutisch zeigt sich: Erst wenn Wert nicht mehr verdient werden muss, entsteht echte Motivation. Dann wird Leistung Ausdruck von Lebendigkeit – nicht von Angst.


Abschließende therapeutische Haltung

Leistung kann beeindrucken.Wert trägt.

Leistung kann schwanken.Wert bleibt.

Psychische Gesundheit beginnt dort, wo Menschen nicht mehr fragen:Was habe ich heute geleistet?sondern:Wie bin ich heute mit mir umgegangen?

Und manchmal ist der wichtigste Schritt in der Therapie genau dieser:Sich selbst nicht mehr zu beweisen, sondern sich zu erlauben, zu sein.



 
 
 

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