Warum Selbstliebe kein Egoismus ist
- info44776

- 2. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Selbstliebe hat einen schlechten Ruf.Für viele klingt sie nach Egoismus, Selbstbezogenheit oder Rücksichtslosigkeit. Besonders Menschen, die früh gelernt haben, für andere da zu sein, erleben Selbstliebe oft als etwas Verbotenes – als moralischen Fehltritt.
Therapeutisch zeigt sich jedoch immer wieder: Nicht zu viel Selbstliebe macht krank, sondern zu wenig.
Was Selbstliebe psychologisch wirklich bedeutet
Selbstliebe bedeutet nicht:
sich über andere zu stellen
nur an sich zu denken
Verantwortung abzulehnen
Rücksichtslosigkeit
Psychologisch bedeutet Selbstliebe:
die eigene Existenz anzuerkennen
die eigenen Gefühle ernst zu nehmen
sich selbst Schutz, Fürsorge und Respekt zu geben
Grenzen wahrzunehmen und zu achten
Selbstliebe ist keine Haltung gegen andere – sondern eine Haltung sich selbst gegenüber.
Der häufige Irrtum: Selbstliebe vs. Rücksicht
Viele Menschen verwechseln Selbstliebe mit Egoismus, weil sie gelernt haben:
Zuwendung muss verdient werden
Bedürfnisse anderer sind wichtiger
Anpassung sichert Zugehörigkeit
In der Therapie zeigt sich: Wer nie gelernt hat, sich selbst liebevoll zu begegnen, hält Selbstfürsorge für egoistisch – weil sie dem gewohnten Muster widerspricht.
Doch echte Fürsorge für andere setzt innere Stabilität voraus.
Selbstliebe als Grundlage psychischer Gesundheit
Psychotherapeutisch ist Selbstliebe kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für seelische Gesundheit.
Menschen mit einer liebevollen inneren Haltung:
regulieren Emotionen besser
setzen gesündere Grenzen
geraten seltener in destruktive Beziehungen
sind belastbarer in Krisen
Nicht, weil sie stärker sind – sondern weil sie freundlicher mit sich umgehen.
Was im Nervensystem passiert
Selbstliebe wirkt regulierend auf das Nervensystem:
Aktivierung des parasympathischen Systems
Senkung von Stresshormonen
Förderung von Sicherheit und Ruhe
Selbstabwertung hingegen hält das Stresssystem aktiv.Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen äußerer und innerer Kritik.
Warum Selbstliebe oft Angst macht
Viele Menschen fürchten:
andere zu enttäuschen
egoistisch zu wirken
Bindung zu verlieren
Schuld zu empfinden
Therapeutisch ist diese Angst nachvollziehbar. Sie stammt oft aus früheren Beziehungserfahrungen, in denen eigene Bedürfnisse nicht willkommen waren.
Selbstliebe fühlt sich dann nicht natürlich an – sondern gefährlich.
Selbstliebe vs. Narzissmus
Therapeutisch wichtig ist die klare Unterscheidung:
Narzissmus entsteht häufig aus einem Mangel an Selbstwert.Er braucht Bewunderung, um Leere zu überdecken.
Selbstliebe hingegen:
ist leise
braucht keine Bestätigung
lässt andere gelten
erlaubt Nähe und Mitgefühl
Menschen mit Selbstliebe müssen sich nicht über andere erheben – sie ruhen in sich.
Selbstliebe und Grenzen
Echte Selbstliebe zeigt sich besonders in der Fähigkeit, Grenzen zu setzen:
Nein sagen
Pausen machen
sich zurückziehen
Bedürfnisse äußern
Das wirkt auf andere manchmal unbequem – ist aber kein Angriff, sondern Selbstschutz.
Wer sich selbst achtet, verletzt andere weniger – nicht mehr.
Der therapeutische Weg zur Selbstliebe
Selbstliebe lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht durch Beziehung – oft zunächst im therapeutischen Raum.
Hilfreich sind:
Selbstmitgefühl statt Selbstkritik
Anerkennung der eigenen Geschichte
Verständnis für alte Schutzstrategien
achtsamer Umgang mit inneren Anteilen
Viele Menschen müssen Selbstliebe nicht lernen – sondern sich erlauben, sie zu empfinden.
Warum Selbstliebe Beziehungen verbessert
Menschen mit Selbstliebe:
erwarten weniger unbewusst
übernehmen Verantwortung für sich
bleiben in Beziehung, ohne sich zu verlieren
Selbstliebe macht beziehungsfähig – nicht egoistisch.
Abschließende therapeutische Perspektive
Selbstliebe ist kein Luxus, kein Trend und kein Egoismus.Sie ist die Basis innerer Stabilität.
Wer sich selbst mit Respekt begegnet, muss sich nicht aufopfern, um geliebt zu werden.Und wer sich selbst hält, kann andere wirklich halten.
Manchmal beginnt Heilung mit einem einfachen inneren Satz:Ich darf mir selbst wichtig sein.

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