top of page

Wussten Sie schon?

Warum Selbstoptimierung krank macht

Selbstoptimierung klingt harmlos.Ein bisschen besser schlafen, effizienter arbeiten, bewusster essen, emotional stabiler sein. Doch für viele Menschen ist Selbstoptimierung längst kein freiwilliger Wunsch mehr, sondern ein innerer Zwang.

Therapeutisch zeigt sich immer häufiger: Nicht das Streben nach Entwicklung macht krank, sondern der Druck, ständig besser sein zu müssen.


Wann Entwicklung kippt

Gesunde Entwicklung ist lebendig, neugierig und fehlerfreundlich.Selbstoptimierung hingegen ist oft:

  • getrieben von Angst

  • orientiert an Vergleich

  • verbunden mit Selbstkritik

  • nie zufriedenstellend

Der Unterschied liegt nicht im Tun, sondern im inneren Motiv.


Der innere Antreiber

In der Therapie begegnet uns bei selbstoptimierenden Menschen häufig ein starker innerer Antreiber:

  • „Du bist noch nicht gut genug.“

  • „Da geht noch mehr.“

  • „Andere schaffen das auch.“

Dieser Antreiber ist selten aggressiv. Er wirkt oft sachlich, vernünftig, motivierend – und ist gerade deshalb so mächtig.

Doch seine Botschaft bleibt gleich:So wie du jetzt bist, reichst du nicht.


Psychologische Wurzeln der Selbstoptimierung

Selbstoptimierung entsteht häufig aus frühen Beziehungserfahrungen:

  • Liebe war an Leistung gebunden

  • Anerkennung gab es für Anpassung

  • Fehler führten zu Entzug von Nähe

Das Kind lernt:Ich muss etwas leisten, um dazuzugehören.

Als Erwachsene setzen viele dieses Muster fort – nun gegen sich selbst gerichtet.


Das Nervensystem unter Dauerstress

Neurologisch hält Selbstoptimierung das Stresssystem aktiv:

  • Dauerhafte Cortisol-Ausschüttung

  • Überaktivierung des Sympathikus

  • Reduzierte Regenerationsfähigkeit

Der Körper kommt nicht mehr in Ruhe.Pausen fühlen sich „falsch“ an. Stillstand erzeugt Schuld.

Langfristig entstehen:

  • Erschöpfung

  • Schlafstörungen

  • innere Leere

  • Depression

  • psychosomatische Beschwerden

Nicht weil Menschen zu wenig tun – sondern weil sie sich selbst nicht mehr spüren dürfen.


Der Vergleich als Treibstoff

Selbstoptimierung lebt vom Vergleich:

  • schneller

  • gesünder

  • produktiver

  • ausgeglichener

Soziale Medien verstärken diesen Mechanismus massiv. Das Gehirn reagiert auf Vergleich mit Stress – selbst wenn er nur beiläufig geschieht.

Therapeutisch zeigt sich:Je stärker der Vergleich, desto instabiler der Selbstwert.


Die Illusion der Kontrolle

Selbstoptimierung verspricht Kontrolle:

  • über den Körper

  • über Gefühle

  • über Erfolg

  • über das Leben

Doch das Leben ist nicht vollständig kontrollierbar.Wer versucht, alles zu optimieren, verliert oft das Vertrauen in den eigenen Organismus.

Fehler, Müdigkeit und Zweifel werden nicht mehr als menschlich erlebt – sondern als persönliches Versagen.


Wenn das Selbst zum Projekt wird

In der Selbstoptimierung wird der Mensch zum Objekt:

  • der Körper wird optimiert

  • Emotionen werden reguliert

  • Gedanken werden korrigiert

Therapeutisch problematisch ist dabei:Das Selbst wird nicht mehr erlebt – sondern bearbeitet.

Viele Betroffene berichten:„Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mich eigentlich fühle.“


Warum Selbstoptimierung Beziehungen belastet

Wer sich selbst ständig optimieren muss:

  • ist selten zufrieden

  • stellt hohe Ansprüche

  • kann Schwäche schwer aushalten

Nähe wird schwierig, wenn Unvollkommenheit keinen Platz mehr hat – weder bei sich selbst noch bei anderen.


Der therapeutische Gegenpol

Therapeutisch geht es nicht darum, Entwicklung abzulehnen.Sondern darum, den inneren Druck zu lösen.

Heilsam sind:

  • Selbstmitgefühl statt Selbstkontrolle

  • Akzeptanz statt Dauerverbesserung

  • Körperwahrnehmung statt Leistungsfokus

  • Beziehung statt Vergleich

Der Mensch darf wieder Subjekt sein – nicht Projekt.


Vom Optimieren zum Erlauben

Heilung beginnt oft mit Fragen wie:

  • Was passiert, wenn ich nichts verbessere?

  • Wer bin ich ohne mein ständiges Arbeiten an mir?

  • Darf ich unvollkommen sein?

Diese Fragen machen Angst – und öffnen gleichzeitig einen neuen inneren Raum.


Abschließende therapeutische Haltung

Selbstoptimierung verspricht ein besseres Ich.Doch Heilung beginnt dort, wo Menschen aufhören, sich selbst zu reparieren.

Nicht alles, was unbequem ist, muss verbessert werden.Manches will gefühlt, gehalten, angenommen werden.

Psychische Gesundheit bedeutet nicht, perfekt zu sein –sondern sich selbst in der eigenen Unvollkommenheit nicht zu verlieren.



 
 
 

Kommentare


Featured Posts
Archive

HEILERLAUBNIS

Zulassung zur Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung eingeschränkt auf dem Gebiet der Psychotherapie

§1 Abs.3 Heilpraktikergesetz erteilt vom Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München (Bayern).

  • Tumblr Social Icon
  • Facebook
  • LinkedIn Social Icon
  • Instagram
  • Weißes Xing

KONTAKTAUFNAHME

0 151 - 55 21 22 23

praxis@benita-feller.de

bottom of page