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Wussten Sie schon?

Warum unsere Gesellschaft krank ist – eine psychologisch-therapeutische Betrachtung

Wenn immer mehr Menschen erschöpft sind, sich leer fühlen, unter Angst, Depression, psychosomatischen Beschwerden oder Sinnverlust leiden, lohnt sich ein ehrlicher Blick:Vielleicht liegt das Problem nicht nur im Individuum – sondern im System, in dem es lebt.

Therapeutisch zeigt sich immer deutlicher: Viele Symptome sind keine persönlichen Defizite, sondern gesunde Reaktionen auf ungesunde gesellschaftliche Bedingungen.


Pathologisiert wird der Mensch – nicht das

Umfeld

In unserer Gesellschaft wird Leiden häufig individualisiert:

  • Du bist zu sensibel

  • Du bist nicht belastbar genug

  • Du musst an dir arbeiten

  • Du brauchst ein besseres Stressmanagement

Doch psychotherapeutisch betrachtet sind viele Symptome Ausdruck von Überforderung, Entfremdung und chronischem Anpassungsdruck.Nicht der Mensch ist krank – sondern oft die Umstände, an die er sich anpassen soll.


Dauerstress als Normalzustand

Unsere Gesellschaft befindet sich im permanenten Aktivierungsmodus:

  • Leistungsdruck

  • Zeitmangel

  • Vergleich

  • Unsicherheit

  • Zukunftsängste

Das Nervensystem vieler Menschen kennt kaum noch echte Ruhe.Der Sympathikus bleibt aktiv, Erholung wird funktionalisiert oder optimiert.

Langfristig führt dieser Zustand zu:

  • Erschöpfung

  • emotionaler Abstumpfung

  • Reizbarkeit

  • psychosomatischen Erkrankungen

Der Körper zieht die Notbremse, wenn Grenzen dauerhaft ignoriert werden.


Der Wert des Menschen ist an Leistung gekoppelt

Gesellschaftlich gilt oft:Du bist wertvoll, wenn du funktionierst.

Wer produktiv ist, zählt.Wer ausfällt, rechtfertigt sich.

Therapeutisch ist diese Logik hochproblematisch, denn sie:

  • zerstört Selbstwert

  • verstärkt Scham

  • verhindert Heilung

  • macht Krankheit zur Schuldfrage

Viele Menschen erleben innere Leere, weil ihr Wert nicht im Sein, sondern im Tun verankert ist.


Entfremdung vom eigenen Selbst

Psychologisch krankmachend ist nicht nur Stress, sondern Entfremdung:

  • von eigenen Bedürfnissen

  • von Gefühlen

  • vom Körper

  • vom eigenen Rhythmus

Viele Menschen funktionieren hervorragend – wissen aber nicht mehr, was sie fühlen oder wollen.Sie leben angepasst, aber innerlich getrennt von sich selbst.

Therapeutisch ist das ein zentraler Nährboden für Depression und Angst.


Beziehungen unter Druck

Auch Beziehungen leiden unter gesellschaftlichen Bedingungen:

  • Zeitmangel

  • emotionale Erschöpfung

  • Konkurrenzdenken

  • Vergleich

Nähe braucht Zeit, Sicherheit und Präsenz – all das wird knapp.

Statt Verbundenheit entstehen:

  • Einsamkeit

  • Misstrauen

  • Rückzug

  • emotionale Härte

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Isolation macht krank – auch inmitten anderer.


Die Ideologie der Selbstoptimierung

Unsere Gesellschaft propagiert:

  • Du musst an dir arbeiten

  • Du kannst alles erreichen

  • Du bist deines Glückes Schmied

Was motivierend klingt, wird therapeutisch oft zur Last.Denn es lässt keinen Raum für Grenzen, Verletzlichkeit oder Scheitern.

Wer leidet, fühlt sich doppelt schuldig:für das Leiden – und dafür, es nicht „in den Griff zu bekommen“.


Gefühle haben keinen Platz

Trauer, Wut, Angst und Erschöpfung gelten als störend.Sie sollen reguliert, kontrolliert oder beseitigt werden.

Therapeutisch wissen wir:Gefühle sind keine Schwäche – sie sind Signale.

Eine Gesellschaft, die Gefühle nicht aushält, zwingt Menschen zur inneren Abspaltung.Langfristig wird daraus Krankheit.


Das kollektive Trauma

Krisen, Unsicherheiten, Beschleunigung, Verlust von Orientierung – all das hinterlässt Spuren.Viele Menschen leben in einem Zustand unterschwelliger Alarmbereitschaft.

Traumatisch wirkt nicht nur das einzelne Ereignis – sondern die Dauerbelastung ohne Halt, ohne Pause, ohne echte Verarbeitung.


Was therapeutisch heilsam wäre

Gesellschaftliche Heilung beginnt nicht mit mehr Effizienz, sondern mit:

  • Entschleunigung

  • echter sozialer Sicherheit

  • Wertschätzung jenseits von Leistung

  • Raum für Menschlichkeit

  • Anerkennung von Grenzen

Therapeutisch heilsam ist eine Kultur, die:

  • Sein erlaubt

  • Verletzlichkeit nicht abwertet

  • Vielfalt aushält

  • Menschen nicht reduziert auf Funktion


Die Verantwortung zurückgeben – aber nicht die Schuld

Es ist wichtig zu unterscheiden:Verantwortung für sich zu übernehmen – ohne sich schuldig zu machen für Zustände, die strukturell mitverursacht sind.

Therapie bedeutet nicht Anpassung an ein krankes System, sondern Stärkung des Menschen darin, sich nicht selbst zu verlieren.


Abschließende therapeutische Perspektive

Eine kranke Gesellschaft erkennt man nicht daran, dass Menschen leiden –sondern daran, dass sie glauben, mit ihrem Leiden allein zu sein.

Heilung beginnt dort, wo wir aufhören zu fragen:Was stimmt nicht mit mir?

Und stattdessen beginnen zu fragen:Was macht diese Art zu leben mit uns?

Psychische Gesundheit ist nicht nur eine individuelle Aufgabe –sie ist eine gesellschaftliche Verantwortung.



 
 
 

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