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Wussten Sie schon?

Wie man sich selbst treu bleibt – eine psychologisch-therapeutische Perspektive

Sich selbst treu zu bleiben klingt einfach.Und ist doch für viele Menschen eine der größten Herausforderungen ihres Lebens.

Therapeutisch begegnen wir immer wieder Menschen, die „funktionieren“, angepasst leben, Erwartungen erfüllen – und sich dennoch innerlich leer, fremd oder verloren fühlen. Nicht, weil sie falsch sind. Sondern weil sie sich zu oft von sich selbst entfernt haben, um dazuzugehören.


Was bedeutet es, sich selbst treu zu bleiben?

Sich selbst treu zu bleiben bedeutet nicht:

  • stur zu sein

  • rücksichtslos zu handeln

  • immer laut die eigene Meinung zu vertreten

Psychologisch bedeutet es:

  • die eigene innere Wahrheit wahrzunehmen

  • Gefühle ernst zu nehmen

  • Grenzen zu respektieren

  • Entscheidungen mit dem eigenen inneren Kompass abzugleichen

Selbsttreue ist eine innere Beziehung – keine äußere Haltung.


Warum wir uns selbst verlassen

Die meisten Menschen verraten sich nicht bewusst.Sie tun es aus Notwendigkeit.

Früh lernen wir:

  • Anpassung sichert Bindung

  • Harmonie vermeidet Konflikte

  • Leistung bringt Anerkennung

Das Nervensystem speichert diese Erfahrungen.Selbstverrat wird zur Überlebensstrategie.

Was einst Schutz war, wird später zur Belastung.


Der innere Konflikt

Viele Menschen spüren:

  • „So wie ich lebe, bin ich nicht wirklich ich.“

  • „Ich funktioniere, aber ich fühle mich nicht lebendig.“

Therapeutisch ist das kein Versagen – sondern ein gesundes Signal.Die Psyche meldet: Etwas stimmt nicht mehr.


Die Rolle des Körpers

Der Körper ist oft ehrlicher als der Verstand:

  • Müdigkeit

  • Spannung

  • innere Unruhe

  • psychosomatische Symptome

Körperliche Signale zeigen, wo wir gegen uns leben.Sich selbst treu zu bleiben beginnt häufig mit dem Zuhören.


Grenzen als Ausdruck von Selbsttreue

Grenzen sind kein Angriff.Sie sind ein Akt der Selbstachtung.

Viele Menschen haben Angst:

  • andere zu enttäuschen

  • als egoistisch zu gelten

  • Beziehung zu verlieren

Therapeutisch zeigt sich:Wer keine Grenzen setzt, verliert nicht die anderen – sondern sich selbst.


Selbsttreue ist kein Egoismus

Sich selbst treu zu bleiben bedeutet nicht, andere abzuwerten.Im Gegenteil: Menschen mit innerer Klarheit sind beziehungsfähiger.

Sie:

  • kommunizieren ehrlicher

  • tragen weniger Groll

  • übernehmen Verantwortung für sich

Selbsttreue schafft Klarheit – keine Härte.


Der innere Kritiker

Der innere Kritiker meldet sich oft, wenn wir beginnen, uns selbst ernst zu nehmen:

  • „Stell dich nicht so an.“

  • „Sei nicht so empfindlich.“

  • „Das kannst du doch nicht bringen.“

Therapeutisch ist wichtig:Der innere Kritiker will schützen – aber er kennt nur alte Wege.

Selbsttreue bedeutet, ihm zuzuhören, ohne ihm die Führung zu überlassen.


Authentische Entscheidungen

Selbsttreue zeigt sich weniger in großen Entscheidungen –sondern im Alltag:

  • Nein sagen

  • Pausen machen

  • Bedürfnisse äußern

  • Unstimmiges benennen

Jede kleine Entscheidung in Übereinstimmung mit sich selbst stärkt den inneren Halt.


Der Mut zur Unbequemlichkeit

Sich selbst treu zu bleiben ist nicht immer angenehm:

  • Konflikte können entstehen

  • Beziehungen können sich verändern

  • Erwartungen können enttäuscht werden

Therapeutisch ist das ein notwendiger Prozess.Nicht jede Verbindung hält echte Selbsttreue aus.

Doch die wichtigste Beziehung – die zu sich selbst – wird stabiler.


Selbsttreue ist ein Prozess

Niemand ist immer authentisch.Selbsttreue ist kein Zustand, sondern ein Weg.

Er besteht aus:

  • Wahrnehmen

  • Innehalten

  • Nachjustieren

  • Verzeihen

Auch Selbstverrat darf gesehen werden – ohne Schuld, ohne Scham.

Therapeutische Unterstützung

In der Therapie geht es nicht darum, ein neues Selbst zu erschaffen.Sondern darum, den Zugang zum eigenen Selbst wieder freizulegen.

Heilsam sind:

  • sichere Beziehung

  • Spiegelung

  • Erlaubnis zu fühlen

  • langsames Annähern an die eigene Wahrheit


Abschließende therapeutische Haltung

Sich selbst treu zu bleiben heißt nicht, perfekt zu sein.Es heißt, sich nicht dauerhaft zu verlassen.

Manchmal beginnt Selbsttreue mit einem leisen inneren Satz:Das fühlt sich für mich nicht stimmig an.

Und manchmal ist genau dieser Satz der Anfang von Heilung.



 
 
 

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