Wieder schlecht geschlafen? Ein psychologischer Blick auf Schlafstörungen
- info44776

- 27. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Schlaf ist eine der grundlegendsten menschlichen Funktionen – und gleichzeitig eine der empfindlichsten. Millionen Menschen leiden regelmäßig unter Schlafstörungen: Schwierigkeiten beim Einschlafen, häufiges Aufwachen in der Nacht oder zu frühes Erwachen. Doch Schlaflosigkeit ist weit mehr als ein Ärgernis – sie ist ein Warnsignal. Unser Schlaf spiegelt, wie es uns geht – körperlich, seelisch, mental.
Was kann die Ursachen von Schlafstörungen sein?
Die Ursachen von Schlafproblemen sind vielfältig und oft miteinander verflochten. Sie lassen sich grob in drei Bereiche einteilen:
1. Psychische Faktoren
Stress: Anhaltender beruflicher oder privater Druck aktiviert das Nervensystem und hält uns im „Wachzustand“.
Ängste und Grübeleien: Gedankenkarusselle verhindern das Abschalten.
Depressive Verstimmungen: Sowohl Einschlaf- als auch Durchschlafprobleme sind klassische Symptome.
Unverarbeitete emotionale Erlebnisse: Traumata, Verlusterfahrungen oder unterdrückte Gefühle können unbewusst den Schlaf stören.
2. Verhaltens- und Umweltfaktoren
Schlechte Schlafhygiene: Ungeregelte Schlafenszeiten, zu spätes Essen, Alkohol oder Koffein am Abend.
Bildschirmnutzung vor dem Schlafengehen: Das blaue Licht von Smartphones und Laptops hemmt die Melatoninproduktion – unser „Schlafhormon“.
Reizüberflutung: Eine permanente Informationsflut aus Nachrichten, Social Media und Termindruck überfordert unser Nervensystem.
3. Körperliche Ursachen
Hormonelle Veränderungen (z. B. in den Wechseljahren)
Chronische Schmerzen
Schlafapnoe, Restless Legs, neurologische Störungen
Was macht zu wenig Schlaf mit uns?
Ein dauerhaft gestörter Schlaf hat weitreichende Folgen auf verschiedenen Ebenen:
Neurologisch
Gedächtnisprobleme & Konzentrationsstörungen: Im Tiefschlaf werden Informationen verarbeitet und das Gehirn „aufgeräumt“.
Erhöhte Reizbarkeit: Zu wenig Schlaf beeinträchtigt die Funktion des präfrontalen Kortex – das Kontrollzentrum für Impulse und Emotionen.
Emotionale Überreaktionen: Die Amygdala (unser „Gefahrenradar“) wird überaktiv – wir fühlen uns schneller überfordert oder bedroht.
Psychisch
Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen
Angstzustände: Schlafmangel verstärkt Sorgen und schränkt unsere Fähigkeit zur emotionalen Regulation ein.
Verminderte Stressresistenz: Der Körper kann sich nicht mehr ausreichend regenerieren.
Physisch
Schwächung des Immunsystems
Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Hormonelle Dysbalancen: z. B. Erhöhung des Cortisolspiegels (Stresshormon) und Störung des Insulinhaushalts
Was kann ich tun? – Wege aus der Schlafstörung
Schlafprobleme sind lösbar – oft mit erstaunlich einfachen Mitteln. Wichtig ist, sie ernst zu nehmen und achtsam mit sich selbst zu werden.
1. Schlafhygiene etablieren
Feste Schlafenszeiten – auch am Wochenende
Schlafrituale: z. B. warme Dusche, Lesen, Tee
Verzicht auf Koffein, Alkohol und schwere Mahlzeiten am Abend
Dunkler, kühler, ruhiger Schlafraum
2. Weniger Informationsflut – mehr Stille
Digital Detox am Abend: mindestens 1 Stunde vor dem Schlaf keine Bildschirme
Informationsdiät: Nicht alles muss heute gelesen oder beantwortet werden.
Reize reduzieren: Weniger Multitasking, mehr Präsenz.
3. Psychische Themen aufarbeiten
Oft liegen die Ursachen tiefer: Alte Verletzungen, unbewältigte Konflikte, Trauer oder Traumata. Auch wenn sie nicht bewusst präsent sind, wirken sie innerlich weiter – und stören den inneren Frieden, der für erholsamen Schlaf nötig ist. Hier sind Therapiearten empfehlenswert die einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen werfen, wie beispielsweise die Gestalttherapie. In meiner Praxis habe ich bereits viele Patienten in den gesunden Schlaf begleitet.
Psychotherapie oder psychologische Beratung kann hier unterstützen. In vielen Fällen reichen schon wenige Sitzungen, um zentrale Blockaden zu erkennen, zu benennen und zu lösen.
4. Selbstfürsorge üben
Achtsamkeit: Meditation oder Atemübungen helfen, das Nervensystem zu beruhigen.
Körperarbeit: Sanfte Bewegung, Yoga, progressive Muskelentspannung.
Gefühle zulassen: Der Körper schläft besser, wenn die Seele nicht mehr kämpfen muss.
Fazit
Schlafstörungen sind keine Schwäche, sondern ein Signal: Etwas in unserem Leben ist aus dem Gleichgewicht geraten. Sie laden uns ein, hinzusehen – ehrlich, mitfühlend und mutig. Der Schlaf kommt oft zurück, wenn wir wieder bei uns selbst ankommen. Manchmal brauchen wir dazu Unterstützung, manchmal nur etwas Zeit und Aufmerksamkeit.
Denn guter Schlaf ist kein Luxus – er ist ein Menschenrecht. Und ein Spiegel dafür, wie gut wir mit uns selbst im Einklang sind.

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