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Wussten Sie schon?

Zwei Wochen ohne Social Media – was dabei wirklich mit unserer Psyche und unserem Gehirn passiert

„Ich wollte nur kurz schauen“ – und plötzlich ist eine Stunde vergangen. Social Media wirkt nicht nur auf unsere Gewohnheiten, sondern direkt auf unsere Gehirnstruktur, Aufmerksamkeitssysteme und Stressregulation.

Ein zweiwöchiger Verzicht ist deshalb nicht nur eine mentale Pause, sondern ein kleines neuronales Reset-Experiment.


Social Media und das Dopamin-System

Jeder neue Post, jede Nachricht, jeder Like ist eine kleine Unvorhersehbarkeit. Und genau darauf reagiert unser Gehirn besonders stark. Das Belohnungssystem – vor allem dopaminerge Netzwerke – wird aktiviert.

Wichtig: Es geht nicht um „Glück“, sondern um Erwartung von Belohnung.

Durch ständiges Scrollen lernt das Gehirn:👉 Reiz → Mini-Belohnung → nächster Reiz → nächste Mini-Belohnung

Das führt zu:

  • verkürzter Aufmerksamkeitsspanne

  • erhöhter Reizsuche

  • schnellerer Langeweile bei reizarmen Tätigkeiten

Wenn Social Media wegfällt, sinkt diese dauerhafte Dopamin-Stimulation. In den ersten Tagen fühlt sich das an wie Leere oder Unruhe – neurologisch ist es jedoch eine Normalisierung überreizter Belohnungsschaltkreise.


Aufmerksamkeit: Vom Zappen zur Tiefe

Social Media trainiert das Gehirn auf Aufmerksamkeitswechsel im Sekundentakt. Jedes Scrollen ist ein Kontextwechsel: neues Bild, neues Thema, neue Emotion.

Beteiligt sind hier vor allem:

  • das frontale Aufmerksamkeitsnetzwerk

  • das sogenannte „Salienz-Netzwerk“ (zuständig für Reizbewertung)

Bei Dauerreizung wird das Gehirn darauf konditioniert, ständig nach Neuem zu suchen. Tiefes, fokussiertes Denken wird anstrengender.

Nach einigen Tagen ohne Social Media berichten viele:

  • längere Konzentrationsphasen

  • weniger inneres „Springen“

  • mehr Geduld beim Lesen oder Zuhören

Neuronale Erklärung: Netzwerke für sustained attention (andauernde Aufmerksamkeit) werden wieder stärker genutzt und stabilisiert.


Stresssystem: Dauererregung vs. Regulation

Auch wenn wir entspannt auf dem Sofa liegen – Social Media konfrontiert uns mit:

  • emotionalen Nachrichten

  • Empörung

  • Krisen

  • Vergleichen

  • Bewertungen

Das limbische System, besonders die Amygdala (zuständig für emotionale Reizverarbeitung), reagiert auf diese Inhalte, als wären sie relevante soziale Informationen. Das kann zu einer subtilen Daueraktivierung des Stresssystems führen.

Weniger Social Media bedeutet:

  • weniger emotionale Mikroaktivierungen

  • geringere Grundanspannung

  • bessere Regulation durch den präfrontalen Cortex

Viele schlafen besser und fühlen sich innerlich ruhiger – nicht, weil „nichts passiert“, sondern weil das Nervensystem weniger Dauerinput verarbeiten muss.


Der Default Mode Network (DMN) – die Rückkehr zu sich selbst

Wenn wir nicht aktiv Aufgaben lösen, wird ein Netzwerk im Gehirn aktiv, das sogenannte Default Mode Network. Es ist beteiligt an:

  • Selbstreflexion

  • autobiografischem Denken

  • Zukunftsvorstellungen

  • innerem Erleben

Ständiger Medienkonsum unterbricht diese Phasen immer wieder. Ohne Social Media entstehen wieder mehr Momente, in denen das DMN aktiv sein kann.

Subjektiv erleben wir das als:

  • mehr Nachdenken über das eigene Leben

  • intensiveres Fühlen

  • mehr Zugang zu inneren Bildern, Erinnerungen, Bedürfnissen

Kurz gesagt: Das Gehirn bekommt wieder Raum, „ich selbst“ zu verarbeiten.


Vergleich und Selbstbild – neuronale Spiegelprozesse

Beim Betrachten anderer Menschen werden Spiegelneuronen-Systeme aktiv. Wir simulieren innerlich, was wir sehen. Auf Social Media sehen wir jedoch überwiegend optimierte Ausschnitte.

Das Gehirn vergleicht automatisch:deren Körper – mein Körperderen Erfolg – mein Erfolgderen Beziehung – meine Beziehung

Diese ständigen sozialen Vergleiche aktivieren Netzwerke, die mit Selbstbewertung und sozialem Status zu tun haben. Eine Pause reduziert diese Daueraktivierung – das Selbstbild kann sich wieder mehr aus direkter eigener Erfahrungstatt aus digitalem Spiegeln bilden.


Neuroplastizität: Zwei Wochen machen einen Unterschied

Unser Gehirn ist formbar. Was wir häufig tun, wird neuronal verstärkt. Was wir weniger nutzen, wird schwächer.

Zwei Wochen ohne Social Media bedeuten:

  • weniger Training für Reizsuche

  • mehr Training für innere Wahrnehmung

  • mehr Stabilität in Aufmerksamkeitsnetzwerken

  • weniger Daueraktivierung emotionaler Alarmzentren

Das ist kein kompletter Umbau – aber ein klarer Richtungswechsel der neuronalen Nutzungsmuster.


Fazit: Psychologische Freiheit beginnt im Nervensystem

Der Verzicht auf Social Media ist kein moralischer Akt, sondern ein biologischer. Unser Gehirn ist nicht für permanente Reizüberflutung gemacht, sondern für Rhythmen von Aktivität und Ruhe, Außenkontakt und Innenwahrnehmung.

Zwei Wochen Pause können uns zeigen:Ich bin aufnahmefähiger.Ich bin ruhiger.Ich bin wieder mehr bei mir.

Nicht, weil die Welt stiller geworden ist –sondern weil mein Gehirn nicht mehr im Dauer-Scroll-Modus läuft.

Und genau dort beginnt echte Selbststeuerung:wenn wir nicht jedem Reiz folgen müssen, nur weil er da ist.



Zwei Wochen ohne Social Media – was dabei wirklich mit unserer Psyche passiert


Doch was geschieht, wenn wir bewusst aussteigen? Nicht für einen Abend. Nicht halbherzig. Sondern für zwei volle Wochen.

Psychologisch betrachtet ist das wie ein kleines Entgiftungsexperiment für unser Nervensystem, unsere Aufmerksamkeit – und unser Selbstbild.


Phase 1: Unruhe, Leere und der Griff ins Nichts

Die ersten Tage ohne Social Media sind selten entspannt. Viele erleben:

  • automatisches Greifen zum Handy

  • das Gefühl, „etwas zu verpassen“ (FOMO)

  • innere Unruhe oder Langeweile

  • das Bedürfnis nach schneller Ablenkung

Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Gewöhnung. Social Media wirkt auf das Belohnungssystem im Gehirn. Likes, neue Inhalte, Nachrichten – all das aktiviert Dopamin, denselben Neurotransmitter, der auch bei anderen Gewohnheiten und Süchten eine Rolle spielt.

Fällt dieser Reiz plötzlich weg, entsteht ein kleines inneres Vakuum. Und genau dieses Vakuum ist psychologisch hochinteressant – denn darunter liegt oft etwas, das wir lange überdeckt haben: Müdigkeit, Stress, Einsamkeit, Überforderung oder einfach das Gefühl, sich selbst nicht mehr richtig zu spüren.


Phase 2: Die Rückkehr der eigenen Gedanken

Nach einigen Tagen beginnt sich etwas zu verändern. Das Gehirn, das vorher ständig mit neuen Reizen gefüttert wurde, bekommt wieder Raum.

Viele berichten:

  • mehr Tagträume

  • längere Gedankengänge

  • kreatives Denken

  • intensivere Selbstgespräche

Was vorher sofort „weggescrollt“ wurde, darf nun auftauchen. Gefühle, die sonst betäubt wurden, werden spürbarer. Das kann zunächst unangenehm sein – aber genau hier beginnt echte Selbstwahrnehmung.

Psychologisch gesehen trainieren wir wieder unsere innere Aufmerksamkeit statt der permanenten Außenorientierung.


Phase 3: Das Nervensystem kommt zur Ruhe

Social Media ist kein neutraler Raum. Es ist laut, schnell, emotional aufgeladen und oft vergleichsgetrieben. Unser Nervensystem reagiert darauf mit subtiler Daueranspannung.

Nach etwa einer Woche ohne diese Reizflut berichten viele Menschen von:

  • besserem Schlaf

  • weniger innerer Getriebenheit

  • mehr Geduld

  • geringerer Reizbarkeit

Das liegt daran, dass das Gehirn nicht mehr ständig zwischen Inhalten springt. Weniger Multitasking bedeutet weniger Stress für die neuronalen Netzwerke. Die Aufmerksamkeit wird wieder stabiler, tiefer und ruhiger.


Phase 4: Weniger Vergleich – mehr Selbstkontakt

Ein oft unterschätzter Effekt ist der Rückgang sozialer Vergleiche. Auf Social Media sehen wir gefilterte Ausschnitte aus dem Leben anderer: Körper, Beziehungen, Erfolge, Urlaube, Meinungen. Selbst wenn wir es „wissen“, wirkt es emotional.

Ohne diesen Dauervergleich passiert etwas Entscheidendes:

  • Die eigene Lebensrealität fühlt sich wieder „normal“ an

  • Der Druck, mithalten zu müssen, nimmt ab

  • Entscheidungen fühlen sich innerer an, weniger fremdgesteuert

Plötzlich fragt man sich wieder:Was will eigentlich ICH?Nicht: Was wirkt gut? Was kommt gut an? Was machen die anderen?

Das stärkt langfristig Selbstwert und Identitätsgefühl.


Phase 5: Echte Verbindung statt Dauerpräsenz

Viele befürchten, sie würden ohne Social Media soziale Kontakte verlieren. Oft geschieht das Gegenteil.

Beziehungen werden:

  • bewusster gewählt

  • direkter gepflegt

  • persönlicher erlebt

Statt vielen oberflächlichen Kontakten entsteht Raum für echte Gespräche, Telefonate oder Begegnungen. Das Gehirn unterscheidet klar zwischen digitaler Interaktion und realer Verbindung – nur Letztere reguliert nachhaltig unser Stresssystem.


Was zwei Wochen wirklich verändern können

Zwei Wochen sind kein radikaler Lebensumbruch. Aber sie sind lang genug, damit unser System sich erinnert, wie es sich ohne Dauerreize anfühlt.

Viele nehmen nach dieser Zeit wahr:

  • Ich bin weniger abgelenkt

  • Ich halte Stille besser aus

  • Ich spüre meine Bedürfnisse klarer

  • Ich vergleiche mich weniger

  • Ich entscheide bewusster, was ich konsumieren will

Und vielleicht die wichtigste Erkenntnis:Ich brauche Social Media weniger, als ich dachte.


Kein Verbot – sondern eine bewusste Wahl

Es geht nicht darum, Social Media zu verteufeln. Es geht darum, wieder die Kontrolle zurückzuholen. Nicht automatisch zu scrollen, sondern bewusst zu entscheiden.

Zwei Wochen Pause sind wie ein Perspektivwechsel:Man steigt aus dem Strom aus – und merkt erst dann, wie stark er einen getragen hat.

Und vielleicht bleibt am Ende nicht der vollständige Verzicht, sondern etwas viel Wertvolleres:Ein gesünderer Abstand. Mehr Selbstkontakt. Mehr innere Ruhe.

Und die Erfahrung, dass das eigene Leben auch ohne Dauer-Feed reich, lebendig und genug ist.



 
 
 

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