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Wussten Sie schon?

Warum Grenzen setzen für manche Menschen so schwer ist

  • vor 7 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Von Benita Feller, Psychologin, Psychotherapeutin, Traumatherapeutin und Paartherapeutin


Es gibt Menschen, die sehr genau wissen, wann andere ihre Grenzen überschreiten.

Und doch fällt es ihnen schwer, etwas dagegen zu sagen.

Nicht, weil sie es nicht bemerken.

Sondern weil zwischen dem Wahrnehmen und dem Aussprechen etwas geschieht.

Ein inneres Zögern.

Eine Unsicherheit.

Vielleicht der Gedanke:

"Ist das wirklich so schlimm?"

Oder:

"Ich möchte jetzt keinen Streit anfangen."

Nach außen wirkt das oft wie Nachgiebigkeit.

Doch innerlich ist es häufig etwas ganz anderes.


Ein Nein ist mehr als ein Wort

Wir betrachten ein Nein oft als einfache Entscheidung.

Dabei ist es psychologisch gesehen eine Form der Selbstbehauptung.

Mit jedem Nein sagen wir gleichzeitig:

"Bis hierhin und nicht weiter."

Für Menschen, die früh erlebt haben, dass eigene Bedürfnisse wenig Raum hatten oder Konflikte unsicher waren, kann genau dieser Satz ungeheuer schwer werden.

Nicht, weil sie schwach sind.

Sondern weil ihr Nervensystem gelernt hat, dass Anpassung Sicherheit schafft.


Die Angst hinter dem Nein

Nur selten haben Menschen Angst vor dem Wort selbst.

Sie haben Angst vor dem, was danach passieren könnte.

Vielleicht wird der andere enttäuscht sein.

Vielleicht entsteht Distanz.

Vielleicht wird die Beziehung schwieriger.

Vielleicht wird man als egoistisch wahrgenommen.

All diese Möglichkeiten laufen oft unbewusst mit.

Das Nein richtet sich dann nicht gegen den anderen.

Sondern gegen die eigene Angst, Verbindung zu verlieren.


Grenzen entstehen zuerst im Inneren

Viele Menschen glauben, sie müssten lernen, konsequenter aufzutreten.

Doch bevor eine Grenze ausgesprochen werden kann, muss sie überhaupt innerlich wahrgenommen werden.

Und genau dort beginnt häufig die eigentliche Arbeit.

Denn wer sich selbst lange zurückgenommen hat, spürt oft erst spät, dass überhaupt eine Grenze erreicht ist.

Nicht selten wird sie erst dann bemerkt, wenn Erschöpfung, Ärger oder Rückzug bereits deutlich geworden sind.


Warum wir uns für unsere Grenzen entschuldigen

Ein interessantes Phänomen begegnet mir in meiner Praxis immer wieder.

Menschen setzen endlich eine Grenze.

Und entschuldigen sich sofort dafür.

"Es tut mir leid, aber..."

"Ich hoffe, du bist jetzt nicht böse..."

"Eigentlich ist es gar nicht so schlimm..."

Fast wirkt es, als müsse die eigene Grenze gleich wieder kleiner gemacht werden.

Doch eine Grenze verliert nichts von ihrer Berechtigung, nur weil sie freundlich ausgesprochen wird.

Und sie gewinnt nichts dadurch, dass wir uns für sie rechtfertigen.


Grenzen schützen nicht nur uns

Oft wird vergessen, dass Grenzen auch Beziehungen schützen.

Sie schaffen Klarheit.

Sie verhindern stille Enttäuschungen.

Und sie ermöglichen echte Begegnung.

Denn Menschen können nur auf etwas Rücksicht nehmen, das sie überhaupt kennen.

Unausgesprochene Grenzen führen dagegen häufig zu Missverständnissen.


Nein sagen bedeutet nicht, gegen jemanden zu sein

Vielleicht liegt genau hier eines der größten Missverständnisse.

Ein Nein ist nicht automatisch eine Ablehnung des anderen.

Es ist oft ein Ja zu sich selbst.

Diese beiden Dinge schließen sich nicht aus.

Im Gegenteil.

Viele Beziehungen werden ehrlicher und tragfähiger, wenn Menschen lernen, sich gegenseitig ihre Grenzen zuzumuten.


Fazit

Grenzen setzen ist keine Technik.

Es ist Ausdruck einer inneren Beziehung zu sich selbst.

Je besser wir unsere Bedürfnisse wahrnehmen, desto natürlicher entsteht auch die Fähigkeit, sie zu schützen.

Nicht laut.

Nicht kämpferisch.

Sondern klar.


Persönliche Reflexion

Immer wieder erzählen mir Menschen, dass sie lernen möchten, endlich Nein zu sagen und Grenzen zu setzen. .

Doch im Laufe der Therapie verändert sich dieser Wunsch häufig.

Irgendwann geht es nicht mehr nur darum, ein Wort auszusprechen.

Sondern darum, sich selbst ernst zu nehmen.

Und wenn das gelingt, wird aus einem schwierigen Nein oft etwas ganz Neues:

Ein tief empfundenes Ja zu sich selbst.


Grenzen setzen - Ein Prozess der Selbstfindung - Benita Feller Psychologin
Grenzen setzen - Ein Prozess der Selbstfindung - Benita Feller Psychologin

 
 
 

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