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Wussten Sie schon?

Warum Ihr Bauchgefühl Sie manchmal belügt – und was Ihr Nervensystem damit zu tun hat

  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

„Hör einfach auf dein Bauchgefühl.“

Kaum ein Rat wird so häufig gegeben wie dieser. Und tatsächlich steckt darin eine wichtige Wahrheit: Unser Körper nimmt oft Signale wahr, bevor unser Verstand sie bewusst einordnen kann.

Doch was viele nicht wissen: Nicht jedes Bauchgefühl ist eine verlässliche innere Stimme.


Manchmal spricht nicht unsere Intuition. Manchmal spricht unsere Vergangenheit.

Gerade Menschen, die belastende Kindheitserfahrungen, emotionale Verletzungen oder traumatische Erlebnisse gemacht haben, erleben häufig, dass sich Angst wie Intuition anfühlt – und Vertrautheit mit Sicherheit verwechselt wird.


Intuition und Alarm sind nicht dasselbe

In meiner Praxis sagen Klientinnen und Klienten häufig:

"Ich hatte von Anfang an ein komisches Gefühl."

Oder:

"Eigentlich wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmt."

Manchmal stimmt das.

Manchmal aber ist das sogenannte Bauchgefühl gar keine Intuition, sondern die Reaktion eines Nervensystems, das gelernt hat, ständig nach Gefahren Ausschau zu halten.

Unser Gehirn ist ein Meister darin, Erfahrungen zu speichern. Vor allem schmerzhafte Erfahrungen. Das war evolutionär sinnvoll. Wer Gefahren früh erkannte, hatte bessere Überlebenschancen.

Doch dieses Schutzsystem unterscheidet nicht immer zwischen Vergangenheit und Gegenwart.


Wenn die Vergangenheit die Gegenwart bewertet

Stellen Sie sich vor, Sie wurden in Ihrer Kindheit häufig kritisiert oder emotional zurückgewiesen.

Heute begegnen Sie einer Kollegin, die Ihnen sachliches Feedback gibt.

Objektiv betrachtet passiert nichts Bedrohliches.

Ihr Nervensystem könnte jedoch etwas ganz anderes wahrnehmen:

"Achtung. Gleich werde ich wieder abgelehnt."

Plötzlich schlägt das Herz schneller. Die Muskeln spannen sich an. Gedanken kreisen.

Viele Menschen nennen dieses Gefühl dann Intuition.

Tatsächlich reagiert jedoch ein altes Schutzprogramm.


Warum sich gesunde Beziehungen manchmal falsch anfühlen

Ein Phänomen begegnet mir besonders häufig.

Menschen sagen:

"Irgendwie fehlt das Kribbeln."

Oder:

"Er ist so nett. Aber ich fühle einfach nichts."

Wenn Beziehungen früher von Unsicherheit, emotionalem Wechsel oder dem ständigen Wunsch nach Anerkennung geprägt waren, kann sich Ruhe zunächst ungewohnt anfühlen.

Das Gehirn vermisst nicht den Menschen.

Es vermisst die gewohnte Aktivierung.

Plötzlich wirkt ein verlässlicher Partner langweilig, während der emotional unberechenbare Mensch aufregend erscheint.

Das hat wenig mit Liebe zu tun.

Vielmehr zeigt es, woran sich das Nervensystem gewöhnt hat.


Der Körper möchte Sie schützen

Das ist ein wichtiger Gedanke.

Ihr Nervensystem arbeitet nicht gegen Sie.

Es versucht, Sie zu schützen.

Es greift auf Erfahrungen zurück, die früher sinnvoll waren.

Vielleicht mussten Sie als Kind ständig die Stimmung anderer beobachten.

Vielleicht war es wichtig, Konflikte früh zu erkennen.

Vielleicht bedeutete Anpassung Sicherheit.

Diese Strategien waren damals hilfreich.

Heute können sie jedoch dazu führen, dass Sie Situationen als gefährlich erleben, obwohl sie es nicht sind.


Woran erkennen Sie echte Intuition?

Intuition fühlt sich häufig überraschend ruhig an.

Sie drängt nicht.

Sie macht keine Panik.

Sie schreit nicht.

Sie ist eher ein stilles Wissen.

Traumabedingte Alarmreaktionen dagegen sind oft laut.

Sie erzeugen Druck.

Sie verlangen sofortiges Handeln.

Sie lassen kaum Raum zum Nachdenken.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Doch diese Unterscheidung hilft vielen Menschen, ihre Reaktionen besser einzuordnen.


Kann man seinem Bauchgefühl wieder vertrauen?

Ja.

Aber häufig nicht dadurch, dass man ihm blind folgt.

Sondern indem man es kennenlernt.

In der Therapie geht es deshalb oft nicht darum, Gefühle wegzumachen.

Es geht darum, sie zu verstehen.

Welche Reaktion gehört zur Gegenwart?

Welche stammt aus einer früheren Erfahrung?

Welche Angst schützt mich – und welche begrenzt mich heute?

Mit jeder beantworteten Frage wächst das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung.


Fazit

Ihr Bauchgefühl ist ein wertvoller Kompass – aber wie jeder Kompass kann auch er durch starke magnetische Felder beeinflusst werden.

Belastende Erfahrungen, alte Beziehungsmuster und unverarbeitete Verletzungen können dazu führen, dass das Nervensystem Gefahr meldet, obwohl längst keine mehr besteht.

Die gute Nachricht ist: Unser Gehirn bleibt ein Leben lang lernfähig.

Je besser wir unsere eigenen Muster verstehen, desto klarer können wir unterscheiden zwischen einer Intuition, die uns den Weg weist, und einer Angst, die uns vor einer Vergangenheit schützen möchte, die längst vorbei ist.


Persönliche Reflexion

In meiner therapeutischen Arbeit erlebe ich immer wieder, wie erleichternd dieser Unterschied für Menschen sein kann. Viele glauben zunächst, sie könnten sich selbst nicht mehr vertrauen. Tatsächlich fehlt ihnen nicht das Vertrauen – sondern das Verständnis für die Sprache ihres Nervensystems.

Wenn wir beginnen, diese Sprache zu übersetzen, verändert sich oft mehr als nur eine Entscheidung. Es verändert sich die Beziehung zu uns selbst. Und genau dort beginnt für mich nachhaltige Veränderung.


Folge deiner Intuition - Benita Feller Psychologin
Folge deiner Intuition - Benita Feller Psychologin

 
 
 

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