Was, wenn Angst an Macht verliert, sobald Sie aufhören, sie um jeden Preis loswerden zu wollen?
- vor 5 Tagen
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Für viele Menschen klingt dieser Gedanke zunächst widersprüchlich.
Wer Angst erlebt, möchte sie verständlicherweise überwinden. Sie beruhigen. Kontrollieren. Am liebsten ganz aus dem Inneren verbannen.
Doch genau dieser Kampf bindet oft enorme psychische Energie.
Die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf das, was Angst auslösen könnte. Auf körperliche Empfindungen. Auf mögliche Gefahren. Auf Gedanken, die Sicherheit versprechen sollen. Und auf die Hoffnung, das unangenehme Gefühl möglichst schnell wieder loszuwerden.
So wird Angst nicht nur zu einem belastenden Gefühl – sie wird zum Mittelpunkt des inneren Erlebens.
Dabei geschieht etwas Paradoxes: Je mehr wir versuchen, Angst zu kontrollieren, desto mehr Aufmerksamkeit schenken wir ihr. Und was unsere Aufmerksamkeit dauerhaft bindet, gewinnt häufig an Bedeutung.
Der Kampf gegen die Angst
Aus Sicht der Gestalttherapie liegt genau hier ein entscheidender Wendepunkt.
Nicht jedes schmerzhafte Gefühl muss verschwinden, damit Leben wieder möglich wird. Jedes Gefühl, auch die nicht so schönen, gehören zu uns und möchten akzeptiert werden.
Manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo wir den ständigen Kampf gegen unser inneres Erleben beenden.
Das bedeutet nicht, den ängstlichen Anteil in uns anzunehmen und damit umgehen zu lernen. Hierbei hilft die Arbeit mit dem inneren Kind.
Es bedeutet vielmehr, ihre Anwesenheit anzuerkennen, ohne ihr die Führung über das eigene Leben zu überlassen.
Vielleicht entsteht dann zum ersten Mal der Gedanke:
"Da ist Angst. Sie ist spürbar. Sie ist unangenehm. Und sie versucht, mich zu schützen. Aber sie muss nicht jede meiner Entscheidungen bestimmen."
Allein diese innere Haltung verändert häufig mehr, als viele Menschen zunächst erwarten.
Wenn wieder innerer Spielraum entsteht
In dem Moment, in dem Angst nicht länger um jeden Preis bekämpft wird, entsteht häufig etwas sehr Wertvolles:
Innerer Freiraum.
Der Mensch ist nicht mehr ausschließlich damit beschäftigt, Angst zu vermeiden oder zu kontrollieren.
Er kann beginnen, sie wahrzunehmen, ohne vollständig mit ihr zu verschmelzen.
Gedanken werden wieder als Gedanken erkennbar.
Körperliche Empfindungen als körperliche Empfindungen.
Und Angst als das, was sie ursprünglich ist:
Ein biologisches Alarmsystem, das schützen möchte – auch dann, wenn objektiv keine Gefahr besteht.
Aus unmittelbarer Verstrickung entsteht allmählich Beobachtung.
Und aus Beobachtung wächst oft eine neue Form innerer Freiheit.
Leben trotz Angst
Viele Menschen warten darauf, dass die Angst endlich verschwindet, bevor sie wieder anfangen zu leben.
Doch was wäre, wenn genau diese Reihenfolge nicht funktioniert?
Was wäre, wenn Leben nicht erst nach der Angst beginnt, sondern bereits mit ihr möglich ist?
Vielleicht mit klopfendem Herzen.
Mit Unsicherheit.
Mit Zweifeln.
Und dennoch Schritt für Schritt in Richtung dessen, was wirklich wichtig ist.
Die Gestalttherapie richtet den Blick deshalb immer wieder auf eine andere Frage.
Nicht:
"Wie werde ich die Angst los?"
Sondern:
"Wie begegne ich meiner Angst. Wie gehe ich mit meinen Ängsten um?
Welches Leben möchte ich führen – auch wenn Angst zeitweise mitgeht?"
Denn häufig verliert Angst genau dann an Einfluss, wenn sie nicht länger darüber entscheidet, welche Wege wir gehen.
Persönliche Reflexion
In meiner therapeutischen Arbeit erlebe ich immer wieder, wie entlastend dieser Perspektivwechsel für Menschen sein kann.
Nicht, weil ihre Angst plötzlich verschwindet.
Sondern weil sie entdecken, dass zwischen ihnen und ihrer Angst wieder Raum entstehen kann.
Ein Raum, in dem nicht das Gefühl entscheidet, sondern der Mensch selbst.
Genau dort beginnt häufig eine neue Erfahrung:
Nicht die Freiheit von Angst.
Sondern die Freiheit, sich trotz Angst wieder dem eigenen Leben zuzuwenden.
Wenn Sie sich auf diesem Weg Begleitung wünschen, unterstütze ich Sie gerne.
Gemeinsam entwickeln wir Wege, wie Sie Ihren inneren Handlungsspielraum erweitern und sich Schritt für Schritt wieder stärker an Ihren eigenen Werten und Bedürfnissen orientieren können.

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