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Wussten Sie schon?

Werden wir zu Digitalzombies?

  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Zwischen Instagram, künstlicher Intelligenz und der Frage, ob wir uns selbst verlieren.


Wir leben in einer Zeit, in der wir ständig verbunden und erreichbar sind – und uns gleichzeitig immer mehr von uns selbst entfremden.

Ein Griff zum Smartphone geschieht heute beinahe automatisch. Morgens nach dem Aufwachen, zwischendurch in der Warteschlange, abends vor dem Einschlafen. Instagram, TikTok und andere soziale Netzwerke begleiten unseren Alltag. Sie schenken uns Unterhaltung, Inspiration und Kontakt.

Doch sie bergen auch eine stille Gefahr:

Dass wir verlernen, mit uns selbst allein zu sein. Wir verlernen in unserer realen Welt zu bleiben, weil sie uns im Vergleich zu den digitalen Welten nur noch schwarz-weiß erscheint.


Psychologisch betrachtet ist unser Gehirn darauf ausgelegt, Belohnungen zu suchen. Jedes Like, jeder Kommentar und jeder neue Follower aktiviert das Belohnungssystem. Aber nicht nur das, sondern auch dieses schöne Gefühl, sich in andere Leben einzufühlen. Für diesen einen Moment fühlen wir uns gut, gesehen, bestätigt. Dieses angenehme, schöne Gefühl ist real – aber oft nur von kurzer Dauer. Deshalb greifen wir immer wieder zum Smartphone. Nicht unbedingt, weil wir etwas brauchen, sondern weil wir hoffen, dass dort wieder dieses kleine gute Gefühl auf uns wartet.


Mit der Zeit kann daraus ein Kreislauf entstehen. Wir beginnen, unser eigenes Leben durch die Augen anderer zu betrachten. Wie wirkt mein Foto? Wie viele Menschen haben meinen Beitrag gesehen? Warum hat die andere Person mehr Aufmerksamkeit als ich? Plötzlich wird der eigene Wert unbewusst an Zahlen gemessen. Dabei sagen Follower, Likes und Reichweite nichts über den tatsächlichen Wert eines Menschen aus. Oder wir brauchen einfach immer wieder dieses schöne Gefühl, welches uns durch Instagram & co. vermittelt wird. Eine unsichbare Droge, ohne die wir uns leer und verloren fühlen.


Hinzu kommt eine zweite Entwicklung, die unser Leben immer stärker prägt: die künstliche Intelligenz. KI kann Texte schreiben, Ideen entwickeln, Bilder erzeugen und Probleme lösen. Sie ist ein beeindruckendes Werkzeug, das unseren Alltag erleichtert. Doch genau darin liegt auch eine psychologische Herausforderung.

Je mehr wir der KI überlassen, desto seltener trainieren wir unsere eigenen Fähigkeiten. Wenn jede Formulierung vorgeschlagen wird, jede Idee sofort verfügbar ist und jede Antwort innerhalb weniger Sekunden erscheint, verlieren wir langsam die Bereitschaft, selbst nachzudenken. Unser Gehirn funktioniert ähnlich wie ein Muskel: Was wir regelmäßig nutzen, wird stärker. Was wir kaum noch benutzen, baut sich mit der Zeit ab.

Selbst zu schreiben bedeutet weit mehr, als Wörter auf Papier zu bringen. Schreiben hilft uns, Gedanken zu ordnen, Gefühle zu verstehen und unsere Persönlichkeit auszudrücken. Wer Tagebuch schreibt, einen Brief verfasst oder einfach seine Gedanken notiert, tritt mit sich selbst in Kontakt. Genau dieser Kontakt geht im digitalen Dauerrauschen häufig verloren.


Vielleicht sind wir deshalb nicht auf der Suche nach noch mehr Informationen. Vielleicht suchen wir eigentlich nach uns selbst.


Stille ist heute fast ungewohnt geworden. Sobald ein freier Moment entsteht, greifen viele automatisch zum Handy. Dabei entstehen Kreativität, Selbstreflexion und innere Ruhe oft genau in den Momenten, in denen wir nichts konsumieren. Wenn wir spazieren gehen, ohne Musik im Ohr. Wenn wir einen Stift in die Hand nehmen und unsere Gedanken frei fließen lassen. Wenn wir Langeweile zulassen, anstatt sie sofort mit neuen Reizen zu füllen.


Der Begriff „Digitalzombie“ beschreibt deshalb weniger Menschen, die Technik nutzen. Er beschreibt Menschen, die nur noch reagieren, statt bewusst zu handeln. Menschen, deren Aufmerksamkeit ständig von außen gesteuert wird und die immer seltener nach innen schauen.


Die Lösung besteht jedoch nicht darin, soziale Medien oder künstliche Intelligenz zu verteufeln. Beide können unser Leben bereichern. Entscheidend ist, wer die Kontrolle hat. Nutzen wir die Technik bewusst – oder nutzt sie uns?


Vielleicht sollten wir uns öfter fragen:

  • Wann habe ich zuletzt etwas geschrieben, das ausschließlich für mich bestimmt war?

  • Wann habe ich einen Gedanken bis zum Ende selbst entwickelt, ohne sofort danach zu suchen?

  • Wann habe ich einen Moment erlebt, ohne ihn fotografieren oder teilen zu müssen?

  • Wer bin ich, wenn niemand zusieht?

  • Was passiert mit mir, wenn Stille eintritt. Einfach mal zulassen und nicht gleich zum Handy greifen?

  • Schau ich ständig, wo das Handy ist und lege es kaum aus der Hand?


Der Weg zurück zu sich selbst beginnt nicht mit einem digitalen Verzicht, sondern mit bewussten Entscheidungen.

Zehn Minuten ohne Handy oder sogar mal ein ganzes Wochenende? Ein Notizbuch statt einer Suchmaschine.

Ein Spaziergang ohne Ablenkung. Ein eigener Gedanke, auch wenn er unperfekt ist.


Denn unsere Persönlichkeit entsteht nicht durch Algorithmen. Sie entsteht durch Erfahrungen, Zweifel, Gefühle und die Fähigkeit, selbst zu denken.


Vielleicht ist die wichtigste Frage unserer Zeit deshalb nicht, wie intelligent künstliche Intelligenz wird.

Sondern ob wir den Mut und das Bewusstsein haben, unsere eigene Intelligenz, unsere Kreativität und unsere Menschlichkeit so zu wertschätzen und sie weiterhin nutzen und trainieren.


Digitalzombies - Psychologin Benita Feller
Digitalzombies - Psychologin Benita Feller


 
 
 

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